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Yetirace 2010 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Reinhard   
Samstag, 20 Februar 2010

Fotos mit freundlicher Genehmigung von bikercom.at

Image Das Yetirace ist ein Langstrecken Teambewerb, welches jährlich im Februar abgehalten wird. Nun ist beim Yetirace 2010 etwas eingetreten, was zwar vom Reglement berücksichtigt, aber von keinem Fahrer so wirklich erwartet wurde. Es hatte in den Tagen davor geschneit, die Rennstrecke lag unter einer geschlossenen Schneedecke und die Temperaturen sanken weit unter dem Gefrierpunkt. Das sind natürlich genau die Bedingungen, die sich ein jeder Motorradfahrer für ein Rennen wünscht.

Nachdem vom Veranstalter verkündet wurde, dass die Strecke verkürzt, die Gerade mit 2 ImageSchikanen entschärft und der Schnee geräumt wird, beschlossen wir, das sind in diesem Fall Robert R. (auch Doppel-R genannt) und ich, mit meiner Supermoto das Rennen zu fahren. Am Freitag noch schnell einen Ölwechselservice bei der SMR durchgeführt, diese von Cross auf Supermoto  zurückgebaut und eine alte Garnitur Regenreifen aufgezogen. Die Regenreifen wurden zuletzt 2006 verwendet und waren damals bereits so hart, dass sie ein Rennen bei trockenen Bedingungen problemlos und ohne Schaden überstanden hatten. 

Am Samstag früh ging es auf zum Pannoniaring und ich kam so seit längerem wieder einmal aus dem Image Hochnebel, welcher sich in und um Wien festgesetzt hatte, heraus. So ein Sonnenaufgang kann was, der Tag muss einfach gut werden, dachte ich mir. Das die Temperatur dabei von -1° auf -8°C sank, versuchte ich einfach zu ignorieren. Im beheizten Bus fällt einem das auch nicht so schwer, sicherheitshalber drehte ich aber die Temperatur im Wagen auf +19°C zurück, damit sich mein Köper schon einmal langsam auf die äußeren Bedingungen einstellen konnte. ImageDie Strasse von Sarvar zur Rennstrecke war vollständig mit Schnee und Eis bedeckt, aber meine 100.000 km alten Sommerreifen bewährten sich ein weiteres Mal und ich kam wohlbehalten an der Strecke an. Kurz darauf traf Robert mit seiner Frau ein und wir warfen einen kurzen Blick auf die Strecke. Hmm, ja - ist eh ok, dachten wir, immerhin schaut der Asphalt raus und es wird schon passen.  Nach einem Kaffee und der Anmeldung sind wir bei Fahrerkollegen aus dem ktmforum.eu zur Untermiete in die Box geschlüpft. Diese waren zu dritt, Image wobei ein Fahrer aus dem Wiener Bereich und die anderen 2 aus Deutschland mit Distanzen über 1000km angereist waren. Eine beachtliche Leistung, vor allem wenn man bedenkt, dass die Fahrbedingungen bekannt waren. Ich glaub das man dafür schon ein großes Herz für den Motorsport besitzen muss, ich hätte mir das mit Sicherheit nicht angetan. Der Platzsprecher teilte uns mit, dass das freie Training nur rechts herum statt findet und erst ab 10:30 beginnen soll, vermutlich wollte man noch ein wenig an der Strecke arbeiten, oder dem Eis ein wenig mehr Zeit Image zum auftauen geben. Mittlerweile bin ich drauf gekommen, dass ich meinen Rückenprotektor zu Hause im Keller vergessen habe, na sehr super. Dankenswerter Weise kam mir hier Robert zu Hilfe, der in Anlehnung an den hl. Martin von Tours, zwar nicht seinen Mantel, jedoch seinen Rückenprotektor, oder genauer, einige Protektorenschichten aus seinem Rückenprotektor mit mir teilte. In Zukunft will ich an einen jeden 14.02. zu seinen Ehren und Gedenken, Tintenfische schlachten und verspeisen, weil die isst er so gerne. So gerüstet bin ich dann einmal auf die Strecke gefahren.

ImageDie Gerade war gut geräumt, bei den Schikanen durfte man halt nur nicht von der Strecke abkommen und in die Schneehaufen fahren, welche sich links und rechts von der Spurgasse anhäuften. Das hätte wohl einen bösen, katapultmäßigen Abflug zur Folge und auf so was verzichtet man gerne. Ab der 1. Kurve sah es dann allerdings schon etwas anders aus. Die Strecke danach war vermutlich durch die Schneeverwehungen, bis auf 2 enge Spurgassen mit Schnee bedeckt, die darauf folgende Gerade ging wieder, bei der nächsten Kurve wieder eine Spurgasse und die Abkürzung von Kurve 3 zu Kurve 14 war eine blanke Schneefahrbahn. Bei dieser Spange konnte man Image alles mögliche tun, nur nicht Motorrad fahren. Gas geben, bremsen, an Schräglage denken - egal was ich tat, ich lag sofort am Boden. Nach einigen Runden bin ich zum Ausbiegen der Handprotektoren an die Box gefahren und übergab Robert die Supermoto. Der wollte beim Hinfallen nicht ins Hintertreffen geraten und machte es mir gleich. Beim Geraderichten der Handprotektoren waren wir schon recht flott unterwegs, bei den Rundenzeiten hingegen sah es mau aus, wir lagen rund 34 Sekunden hinter den Schnellsten zurück. An der 2. SMR, hatten wir mittlerweile Strassenreifen augezogen, die Testfahrt damit war aber nicht wirklich aussagekräftig, da an der SMR die Kupplung rutschte und ich somit beim Fahren neben den äußeren Image Bedingungen noch zusätzliche Probleme hatte. Nur eines konnte ich mit Sicherheit austesten, K.rins SMR lag genau so gut wie meine. Das ist überhaupt ein nettes Wortspiel, der Fahrer der direkt vor mir lag - ja, bei diesen Bedingungen war das durchaus wörtlich zu nehmen. Der Test mit den Strassenreifen war also nicht aussagekräftig und ich hatte auch keine Lust auf Räder umstecken, also beschlossen wir mit meiner SMR ins Rennen zu gehen. Zu Mittag gab es noch eine Fahrerbesprechung, Imagebei der uns mitgeteilt wurde, dass die Renndauer auf 1,5 Stunden verkürzt wurde und nur mehr in eine Richtung gefahren wird. Ursprünglich standen 2 Stunden am Programm, wobei nach einer Stunde das Rennen abgewunken und im Anschluß in der anderen Richtung neu gestartet werden würde. Das Rennen begann mit einem Le Mans Start, wobei die ersten 3 Runden hinter dem Safteycar gefahren wurden. Robert war unser Startfahrer. Der wollte wohl einen Frühstart vermeiden und ist deshalb erst dann losgelaufen, als das halbe Starterfeld schon bei ihren Motorrädern war. Genau kann ich es nicht sagen, da Image ich gerade an der Leerlaufschraube am Vergaser herumdrehte und dadurch ein wenig abgelenkt war. Auf alle Fälle waren auf einmal links und rechts von mir die Fahrer der anderen Teams, ich sah hoch und Robert lief los. So in der Art funktionierte das bei uns. Das Team Rimato setzte sich zu Beginn schnell vom restlichen Feld ab, das Team Dukecity konnte in einigem Abstand folgen und danach kam einmal lange nichts. Ich stand an der Boxenmauer und sah mit Roberts Gemahlin ein wenig beim Rennen zu und wir versicherten uns das es eh nur ein Spass ist und die Platzeierung völlig egal sei. Image Nach einiger Zeit gaben wir Robert das Signal zum Fahrerwechsel und kurz darauf griff ich selbst in das Geschehen ein. In den ersten Runden tastete ich noch vorsichtig die Strecke ab, aber nachdem sich die Fahrbedingungen im Vergleich zum Vormittag stark verbessert hatten, drehte ich ein wenig vehementer am Gas. Mittlerweile hatte das Ganze schon etwas mehr mit Motorradfahren zu tun, die Kälte war mir egal und es machte langsam wirklich Spass. Beim nächsten Fahrerwechsel mussten wir nachtanken. Das war überhaupt eine heikle Sache. Zum einen wollten wir das Motorrad nicht abstellen, da ein heisser Rennmotor nur sehr schwer anzukicken ist, zum anderen wusste ich vorher nicht, ob der 7l Tank überhaupt für 45 Minuten reicht. Das Tank-Procedere wurde im Vorfeld mit unserem Boxenluder und Kamerakind-Robert Image besprochen. Nur keine Hektik, lieber einige Sekunden mehr und das Motorrad geht dabei nicht in Flammen auf. Er hat sich dabei auch wirklich Zeit gelassen, das Motorrad wurde natürlich übertankt, ich musste den Sprit noch schnell abwischen bevor das Benzin den heissen Krümmer erreicht. Aber so wussten wir zumindest, dass der Tank für die zweiten 45 Minuten randvoll war. Robert startete seinen 2. Turn und ich ging einstweilen ins Rennbüro, um mir die Platzierungen anzusehen und die Finger aufzutauen. Beim Zeitenmonitor angekommen glaubte ich im ersten Moment ich seh schlecht. Wir lagen an der 4. Position und hatten den zeitaufwändigen Tankstopp bereits hinter uns. Die Erstplatzierten lagen Image zur Halbzeit 3 Runden und die Zweitplatzierten 2 Runden vor uns. Das Team an der 3. Stelle war jedoch nur 9 Sekunden vorm Robert und Robert fuhr zu der Zeit um rund 6 Sekunden pro Runde schneller als der Fahrer vor ihm. Allerdings hatten wir nach hinten auch nicht allzuviel Luft. 2 Runden später holte sich Robert den 3. Platz und ab jetzt wurde ich zum ersten Mal an dem Wochenende ein wenig nervös. Wir waren auf Podestkurs, ich packte es nicht, hundert Dinge gingen mir auf einmal durch den Kopf, das Rennen wurde für mich erst ab diesem Zeitpunkt zum Rennen. Ich schaute mir die Rundenzeiten an. Ich hatte in meinem Turn die 2. schnellste Rundenzeit aufgestellt, nur die Führenden konnten mir noch 2 Sekunden abknöpfen. Die restlichen Fahrer waren alle langsamer als ich unterwegs. Image Der 3. Platz erschien mir auf einmal realistisch, es kann funktionieren, wenn wir nicht stürzen und wenn der Sprit hält, dann könnten wir den 3. Platz einfahren. Ich ging ein wenig benommen zur Boxenmauer zurück und folgte dem Rennen. Es war jedesmal eine Erleichterung wenn Robert vorbeifuhr. Das Mopped funktioniert noch, er ist nicht gestürzt, wir sind weiterhin auf Podestkurs, dachte ich mir. Kati fragt ob sie ihm das Signal zum Wechsel geben soll, ich vertröstete sie noch und meinte, eine Runde später wäre auch noch Zeit. Beim Fahrerwechsel schrei ich Robert durch den Helm zu, dass wir auf Podestkurs sind. Er schaut mich mit großen Augen und fragenden Blick an. Verständlich - mir würde es an seiner Stelle nicht anders ergehen und ich würde auch glauben, dass ich gerade verarscht werde. Image Wie auch immer, mit einem Grinsen schwang ich mich auf das Motorrad und begann den letzten Turn. Jetzt nur keinen Blödsinn machen, nur nicht stürzen, nur nicht an das Bier danach denken, einfach nur konzentriert und geduldig bleiben. Die Geduld wurde auch mehrfach auf eine harte Probe gestellt, ich hatte praktisch nie eine freie Runde zur Verfügung, lief dauernd auf langsamere Fahrer auf und war dankbar, wenn das nicht gerade bei den Stellen passierte, wo das Überholen nur sehr riskant, oder praktisch unmöglich war. Ich konnte mir nur immer vor Augen halten, dass es unseren ImageGegnern nicht anders ergehen kann und solange mich keiner auf der Strecke überholt, kann ich zumindest keinen Platz verlieren. Aber an welcher Stelle habe ich übernommen? Haben uns welche beim Fahrerwechsel überholt?  Wird der Sprit reichen? Fragen über Fragen. Wegen der tiefstehenden Sonne und der dreckigen Crossbrille konnte ich die ImageAnzeigetafel auf der Start-Ziel nicht mehr ablesen und hatte deshalb keine Ahnung, wie lange das Rennen noch geht. Aus den Augenwinkeln heraus erblickte ich Robert, der auf der Boxenmauer sass und die Hände in die Höhe riss. Ich hatte keine Ahnung was er mir deuten will. Habe ich Zielflagge übersehen? Nein, dann würden die Streckenposten mit ihren Fahnenn wachln. Kommt einer von hinten? Soll ich schneller fahren? Würde ich ja gerne, aber da war noch immer die Sache mit dem Überrunden.  Wieder Fragen über Fragen. Es konnte nicht mehr lange dauern, Image hoffte ich zumindest, weil die SMR spuckte in den Kurven und schoss das ein oder andere Mal durch den Auspuff, ein sicheres Vorzeichen dafür, dass der Sprit jetzt langsam zu Ende ging. Hoffentlich kommt jetzt bald die schwarz-weiss karierte Flagge, dachte ich, weil ansonsten müsste ich die SMR wohl über die Ziellinie schieben. Kurz darauf wurde ich abgewunken, fuhr in die Box und wurde dort bereits überschwänglich empfangen. Robert zeigte mir das Victory Zeichen, es hat also, so vermutete ich, für den 3. Platz gereicht. Wir haben uns gegenseitig auf die Schulter Image geklopft und breit gegrinst. Durch den ganzen Wirbel hindurch schrie Robert mir ins Ohr, dass wir nun zur Siegerehrung müssten. Ja - warum auch nicht, es gibt schlechtere Dinge im Leben. Wir gaben unseren Transponder im Rennbüro ab und bekamen die Ergebnisliste in die Hand gedrückt. Ich wollte das unbedingt schwarz auf weiss sehen, weil irgendwie konnte ich es immer noch nicht glauben. Ich schau also auf den Zettel und finde das Team afm.at II an der 2. Position. Wir sind doch tatsächlich 2. geworden. Das hat mir der Robert also mit seinen Würschtelfingern gedeutet, nicht das Victory Zeichen. An der 3. Stelle lag das Team dukecity.de, unsere Boxenvermieter, Imagewas natürlich doppelt so erfreulich war. Deshalb war es in der Box so laut, die freuten sich weil sie 3. wurden und nicht nur deshalb, weil sie beim Rennen nicht erfroren sind. Nach der Siegerehrung ging es noch in das örtliche Lokal im Fahrerlager, wo wir mit den noch verbliebenen  Boxenkollegen und Begleitpersonen das ein oder andere Bier vernichtet haben und beim Heimfahren machten Robert, Kati und ich noch im Tercia halt, damit Robert endlich zu seinem Tintenfisch kommt. Es war ein gelungener Saisonauftakt, ich kam strahlend bei mir zu Hause an, wo mich K.rin mit den Worten: 'Zweiter? Du meine Güte, wer hat euch denn jetzt schon wieder hergebrannt?', empfing. Das Team Rimato hat gewonnen, die waren es.

Roberts unterhaltsamen Bericht vom Yetirace findet ihr hier:

http://doppel-r.is-ur.org/yeti_race_2010.shtml
 
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