Home arrow Diverse-Berichte arrow Die neuen Leiden des Reinhard R.
Die neuen Leiden des Reinhard R. PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Reinhard   
Montag, 12 Oktober 2009

Frühlingsgefühle
Begonnen hat es heuer im Frühjahr, als ich beim Herumsurven auf ein Bild einer Superduke-R gestossen bin.  Es war ein Image Foto einer Superduke-R, aufgenommen bei den TNT Days am Panoniaring. In meinen Augen ein wunderschönes Teil, ich war hin und weg von dem Ding. Das wäre doch ein nettes  Spielzeug, so für die Fahrt zur Arbeit, für den ein oder anderen Rennstreckentermin, oder einfach nur zum  Ansabbern. So träumte ich also dahin, versprach meiner Familie mit dem Kauf ein besserer Mensch zu werden,  der gegnerischen Familie versprach ich ihre Tochter/Schwester/Nichte/etc. zu ehelichen und stand bereits kurz vor dem Kaufvertrag. Ja und dann kam Timo zur Welt, gleich  darauf war die Schlüsselübergabe zu unserem neuen Heim, mit den damit verbundenen Eigenleistungen. Mit  anderen Worten, es gab wochenlang nur Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Das Thema Motorrad war vorerst  einmal gegessen.

Plan B
Bei den TNT Days hat man die Möglichkeit, dass man sich für die Dauer der Veranstaltung ein Motorrad  mieten kann. Um so länger ich darüber nachdachte, um so mehr gefiel mir der Gedanke. Beim at.freizeit.motorrad Stammtisch im Juli – nach den üblichen Gesprächen was früher alles besser war – brachte ich dann meinen Plan B vor. Wir könnten mal wieder auf die  Rennstrecke fahren, ich kann mir dort für die 2 Tage ein Motorrad ausborgen, wir werden keinen Schrott fabrizieren und können dabei eine Menge Spass haben. Der einzig wirklich interessierte war der Doppler, aber der wollte noch etwas  Bedenkzeit, wobei ich mir bereits am Stammtisch sicher war, dass er mit fährt. Deswegen habe ich mich gleich einmal, nachdem ich vom Stammtisch nach Hause gekommen bin, zu den TNT Days am Pann angemeldet und  mir dafür eine Superduke-R reserviert. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Sitzprobe
Im Sommerurlaub wollte ich nach langer Zeit, unglaublich wie schnell 15 Monate vergehen können, wieder  einmal auf die Supermoto. Durch den Umzug musste ich mir die Motorradsachen erst zusammensuchen und dabei Image stellte sich heraus, dass ich kein einziges Paar Handschuhe ohne Löcher habe. Sehr super, also ab zu einem Motorradhändler, der laut Internet die Handschuhe meiner Lieblingsmarke führt. Der ist u.a. auch KTM Händler und hatte im Schauraum eine gebrauchte Superduke herumstehen. Natürlich musste ich mich sofort auf die SD setzen. Da sass ich dann drauf und wusste, dass ich damit eher nicht am Ring fahren will. Kurz mal darüber nachgedacht und weil nicht weit davon entfernt eine RC8 stand, schwang ich mich kurzer Hand auf die RC8. 'Das ist es schon eher', dachte ich mir, und so wurde aus der ursprünglichen Leih Superduke-R eine Leih RC8.

Anreise
Vor der Abfahrt gab es noch einige Schwierigkeiten bei der Auffindung meiner Motorradbekleidung – der Helm war erst Image zu finden nachdem ich Kisten und diverse IKEA Sackerl mit einem Kampfschrei aus den Regalen im Keller heraus gerissen, auf den Boden geworfen und wutschnaubend hineingetreten habe. Der Schmerz im rechten Zeh meldete mir unmissverständlich, dass der Helm nun endlich wieder aufgetaucht ist. Zusätzlich zur Motorradausrüstung kam noch eine Supermoto in den Bus, nur für den Fall dass ich die RC8 vorzeitig zerstöre, oder ich mit dem Motorrad halt einfach nicht zurecht kommen sollte. Am Montag Abend noch die Familie Riesenberger abgeholt und auf ging's nach Savar. Während der Fahrt musste sich der Doppler mein Geschwätz und seine Frau das Gebrüll meiner Kinder anhören. Einige Stillpausen später haben wir uns mit den Schreiners in einem Lokal getroffen und nach dem Abendessen ging es geradewegs in die Pension nach Savar.

Muffensausen

Am nächsten Tag gleich nach dem Frühstück auf zur Rennstrecke, ab zur Anmeldung und danach stand ich dann vor 'meiner' RC8 mit der #205. Spätestens ab hier beschlich mich ein leichtes Unbehagen. Ok, ich gebe es ja zu, das Unbehagen war alles andere als leicht, mit anderen Worten, ich hatte auf einmal so richtig Schiss. 'Wie kann man nur so deppat sein', sagte eine meiner inneren Stimmen zu mir, 'du Volldillo bist die letzten 3 Saisonen praktisch nichts gefahren und es ist schon beinahe 5 Saisonen her, dass du zuletzt mit einem  Strassenmotorrad unterwegs warst!' 'Ja, eigentlich Image unpackbar wie schnell die Zeit vergeht', sagte ich zu der inneren Stimme, 'aber ich kann es jetzt nicht mehr ändern, es ist so wie es ist'. Ich bin dann halt mit der RC8 zu unserem Standplatz im Fahrerlager gefahren, oder besser gesagt gewackelt. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ich dabei sie schon auf den ersten Metern umgeschmissen hätte. Die Sitzposition, der hubraumstarke Zweizylinder, das Gewicht, der Lenkeinschlag, alles sehr sehr ungewohnt. Bis auf die Sache, dass ich bei der RC8 den Boden auch nur mit der Zehenspitze erreiche. Zumindest das ist genau so wie bei meiner Supermoto.

Auf geht's
Es kam also der Turn für die Fortgeschrittenen, dort waren die 2 Bertls und ich gemeldet. Der  Schreinerbertl fragt nochmal wie lange ich nicht mehr gefahren bin und reiht sich nach meiner Antwort, natürlich mit  einem fetten Grinsen im Gesicht, hinter mir ein. Der Zweizylinder brummt unter mir los, wir nähern uns nach der Boxenausfahrt der ersten Kurve, ich leg um, also ich LEG uuUHHMMMmm - jo leck mich doch am Arsch, das Ding ist im Vergleich zu meiner SMR 450 so handlich wie ein Flugzeugträger und ich fahr die ersten Kurven mit fünf mal einlenken und nachdrücken pro Kurve. Langsam kommen Zweifel in mir auf und ich frage mich, ob ich wirklich schon jemals mit einem Supersportler gefahren bin, oder ob ich das nur geträumt habe. Mit dem  Verlauf der ersten Runde wird es sogar noch schlimmer, auf einmal Image beginnt mein linker Fuss auf der Raste zu rutschen, will pardout nicht oben bleiben, ich kann keinen Druck auf die Raste ausüben, beim Schalten rutsche ich dauernd ab, da hats was. Das liegt sicher am Schuh, ich bin da irgenwo reingelatscht. Ich beschliesse nach der Runde sofort an die Box zu fahren um dort nach dem Rechten, bzw. linken Schuh zu  sehen. Dort angekommen schaue ich runter und sehe das die linke Seite der RC8 komplett mit Öl verschmiert ist. Ebenso mein Fuss, es rinnt mir mittlerweile sogar von oben in den Stiefel hinein. Der Öleinfüllstutzen hatte sich gelockert, möglicherweise war dieser auch gar nicht richtig zu gemacht. Wie auch immer, die KTM Boxencrew entschuldigte sich mehrfach bei mir, übernahm das Motorrad und reinigte es. Während dessen befreite ich meinen Stiefel und Lederkombi vom Öl. Der erste Turn war somit praktisch gelaufen und nachdem ich sowieso erst mit der RC8 warm werden musste, ging ich zur Anmeldung und liess mich zu den Einsteigern stecken.

2.Versuch
Ich übernehme das gereinigte Motorrad – der Einfüllstutzen ist nun mit Draht gesichert – und kann kurz darauf wieder auf die Strecke fahren. Ich fühle mich nach wie vor wie der erste Mensch, sitze stocksteif auf dem Bock undImage eier um den Kurs. Noch dazu fliegen permanent Leute von der Strecke, die rote Flagge ist heraussen (leider nicht zum letzten Mal an diesem Tag) und ich stehe schon wieder in der Box und  muss warten, bis der Turn wieder aufgenommen wird. Unter solchen Umständen wird die Eingewöhnung natürlich  auch nicht leichter, noch dazu stellt sich links ausengen Ecken heraus ein Rutschen am Hinterrad ein, welches ich  einmal auf das Drehmoment der RC8 schiebe. Im Fahrerlager sehe ich aber, dass noch immer ÖL an der linken Seite herunter und über die kleine Hinterradabdeckung – ein wirklich nützliches Teil – rinnt. Der ein oder andere Tropfen schafft es trotzdem auf den Hinterreifen, also nochmal zu KTM hin und dort gleich  einmal eine andere RC8, diesmal mit der #204, ausgefasst.

Und langsam wochs ma zamm
Neues Motorrad, neues Glück. Zumindest ist nun der Kopf ein wenig freier und langsam kommt ein wenig  Bewegung in die Geschichte, sprich, ich sitz nicht mehr stocksteif auf dem Mototrrad und rutsche schon langsam darauf herum, aber diesmal halt wie es sein soll. Mein Körper erinnert sich an gewisse Bewegungsabläufe und da gibt es doch noch die Sache mit dem Knie, welches allerdings zu diesem Zeitpunkt einfach nicht auf den Boden zu bringen ist. Eh egal, darum geht es ja nicht, nur wie ich die KTM zum 2ten Mal mit den Rasten auf den Boden habe, weiss ich das ich mich noch nicht ausreichend bewege. Es wird von Runde zu Runde besser. Mich beeindruckt wie gutmütig der große Zweizylinder Motor aus der Kurve heraus kommt, da hätte ich mir viel mehr Arbeit erwartet. Auf den Geraden schiesst die RC8 nach vor das es eine Freude ist und sich die Augen wegen der rasant annähernden Kurve weiten. Die Bremsen sind allerdings auch vom Feinsten. Unglaublich was sich da mit so wenig Kraftaufwand abspielt. Mehrmals denk ich mir, dass ich es jetzt ein wenig übertrieben habe und es sich mit dem Bremsen diesmal sicher nicht mehr ausgehen wird, um dann wieder zig Meter vor der Kurve zu überlegen, ob ich nochmal ans Gas gehen soll, oder ob ich mir die Zeit bis zur Kurve mit dem großen Anzeigedisplay der RC8 vertreibe. Der Schaltblitz gefällt, durch die hohe Position ist er praktisch nicht zu übersehen und mahnt zur Wahl des nächst höheren Ganges. Ich hingegen muss mir immer wieder sagen, dass ich beim runterschalten ja nicht auf die Kupplungsbetätigung vergessen darf, da ich die Kuppplung bei der SMR, bis auf den Image Offroadteil, dank Antihopping komplett ausblenden kann. Bei 223,9 km/h – diese Geschwindikeit wird mir als Höchstgeschwindikeit am Display angezeigt – wäre das Runterschalten ohne Kupplung sicher nicht empfehlenswert. Gleichzeitig teilt mir die RC8 mit, dass die Höchstdrehzahl bei 10.7xx Umdrehungen lag und ich zugeben muss, dass ich trotz Schaltblitz im Begrenzer war. Das Display war auf Raceodo gestellt, dabei kann man die Rundenzeiten per Hand stoppen und es wird zusätzlich die Höchstdrehzahl, sowie die Geschwindigkeit pro Runde gespeichert. Ebenfalls ablesbar ist der Unterschied zur Vorrunde. Da sind wirklich einige nette Spielereien möglich. Lustig ist auch die Anzeige der Aussentemperatur, so weiss man zumindest ob sich der Gegner warm anziehen muss, oder nicht. Wirklich Leiwand diese Gimmicks. Im anschliessenden 4. Turn, mein bester an diesem Tag, merke ich das ich ununterbrochen auf andere Fahrer auflaufe. Von hinten kommt diesmal nur mehr einer und somit fasse ich den Entschluss am nächsten Tag bei den Fortgeschrittenen weiter zu machen. Im anschliessenden letzten Turn steht mir die Sonne zu tief und ich beginne wieder einen ziemlichen Stiefel zu fahren, übersehe dann noch die karierte Flagge und werde mit der roten von der Strecke komplementiert.

Schlaf gut
Am Abend sind unsere Damen zu uns ins Fahrerlager dazu gekommen und Nico will unbedingt die Motorräder sehen. Also nehme ich ihn an der Hand und stiefel mit ihm durch die KTM Box. Das KTM Logo erkennt er bereits, grinsend zeigt er darauf und schreit lauthals KTM und auf meine Frage was wir denn mit der KTM machen sollen, kommt seine Antwort: 'Kaufen!'. Es ist wirklich schön zu wissen, als Vater nicht völlig  versagt zu haben. Nach dem Abendessen geht es zurück nach Savar, wo die Kinder ins Bett gehenImage und die Erwachsenen den Tag noch bei dem ein oder anderen Getränk ausklingen lassen. In der Nacht macht sich bei NIco eine Verkühlung bemerkbar, er bekommt schlecht Luft durch die Nase und wacht ständig auf. Kaum schläft er will Timo, der auch ein wenig angeschlagen ist, wieder gestillt werden. Meine kaputte Bandscheibe will sich nicht mit der Matratze anfreunden und am Morgen fühle ich mich entsprechend gerädert, aber immerhin war ich dadurch der Erste beim Frühstück.

Die Diva
An der Strecke angekommen habe ich mir gleich einmal die Schleife für die mittlere Gruppe abgeholt und danach die frisch getankte #204 ausgefasst. Die Turns am Vormittag waren so wie ich mir das vorstelle, damit meine ich jetzt nicht das Fahren an sich, da fehlt schon noch einiges, aber die Abstände der einzelnen Turns, einen pro Stunde, das war genau richtig. Danach kamen die diversen Qualifyings und Rennen. Ich schaute mir das Rennen vom Doppel-R an, musste dabei breit grinsen, als er in der letzten Runde noch seinen Gegner schnupft und dabei seine persönliche Tagesbestzeit fährt. Es ist alles nur eine Frage der Motivation, dachte ich mir und machte mich langsam für meinen nächsten Turn bereit. Bei diesem stellte sich ab der Mitte ein ziemlich starkes Vibrieren ein, welches vor allem am Lenker spürbar ist. Beim Anbremsen ging mir beinahe der Motor aus und es fühlte sich dabei an, als ob die RC8 nur mehr auf einem Zylinder laufen würde. Auch die Gasannahme war irgendwie verzögert und sie drehte auch nicht mehr so frei hoch. Ich wollte keinen Motorschaden riskieren, also fuhr ich an die KTM Box und schilderte dort meine Probleme. Die drehen eine Runde mit der RC8 und sind danach der Ansicht, dass das Motorrad zwar schon ein wenig stärker als die Anderen Image vibriert, aber das dies immer noch im grünen Bereich wäre. Nachdem zu dem Zeitpunkt keine andere RC8 mehr zur Verfügung steht, die sind alle verborgt oder geschrottet, wird die #204, weil der Mechaniker vermutet das sie Luft gesaugt hat, wieder voll getankt zu mir rüber geschoben. So startete ich halt meinen letzten Turn und schau mir dabei ein wenig den Schreiner Bertl auf seiner Adventure an. Zuerst lief der Motor die KTM wieder ganz normal, aber ab der 3. Runde setzten die Vibrationen wieder ein und wurden von Runde zu Runde stärker. Seltsam. Kurze Zeit darauf wird die Adventure vor mir langsamer und ich fahre halt am Bertl vorbei. Wie es sich nachher heraus stellte, hatte er sich einen Patschen am Hinterrad geholt und so einsam wollte ich auchnicht mehr dahin fahren, es wäre auch wirklich zu blöd, wenn es mich im letzten Turn noch hinhaut und damit der Selbstbehalt auch noch fällig wird. So bin ich halt an die Box gefahren, mich von der RC8 verabschiedet, ich hoffe ihr Herz hat wirklich nichts und es war nur ein bisserl ein divenhaftes Benehmen. Ja - die RC8 ist schon eine Diva, alle anderen Motorräder sind im Vergelich dazu nur zickig.

Träumerei 2. Teil

Jetzt bin ich halt wieder so weit wie vorher, nur halt mit dem kleinen Unterschied, dass an Stelle der Superduke nun die RC8 die Hauptrolle spielt.

Fotos:
Robert Schreiner
Robert Riesenberger
motoride.sk
Panphoto

 

 
< zurück   weiter >
© 2010 mopedseite.com
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.