Neutal war wieder einmal an der Reihe. Zu dieser Strecke empfinde ich soetwas wie eine Hassliebe. Ich mag die Strecke nicht sonderlich, hatte aber gerade dort immer meine besten Saisonresultate. Dazu muss ich allerdings sagen, dass mir in der Vergangenheit jedesmal der Regen zu Hilfe gekommen ist, entweder wurde im Rennen (2005), oder im Zeittraining (2006) der Offroadteil gesperrt und somit konnte ich jedesmal weiter nach vorne fahren, als es mir im Trockenen möglich gewesen wäre. Der Knackpunkt der Strecke ist der große Offroadteil, allerdings ist der Asphaltbereich auch nicht ganz ohne und es lässt sich dort wieder einiges auf die guten Offroadfahrer aufholen.
Trotzdem machte ich mir keine allzu großen Hoffnungen und war nach dem ersten freien Training erstaunt, als meine Startnummer als 3. Platzierter von der Anzeigetafel leuchtete. Ok, dachte ich mir, ich kenne die Strecke schon recht gut und es wird sich schon noch relativieren, aber da ich im 2. freien Training noch immer an der 5. Stelle lag, war es mein Ziel im Zeittraining unter die ersten 8 zu kommen, ein Platz in der 2. Startreihe wäre eine gute Ausgangsposition für die Rennen. Im Zeittraining bin ich dann immer wieder im dichten Verkehr stecken geblieben, im Michelincup sind 34 Fahrer gleichzeitig auf der Strecke, und in der einzigen freien Runde hatte ich einen elendslangen Vorderradrutscher in der Zielkurve. Als ich dann 3 Minuten vor dem Ende in die Betreuerzone gefahren bin um meine Platzierung zu erfragen, war ich erstaunt zu hören, daß ich mich auf der 6. Position befand. Ich wusste das da noch mehr drinnen ist und wartete auf eine Lücke im Feld und startete los um mit der einen Runde, die vor der Zielflagge noch möglich war, meine Zeit zu verbessern. Ich fuhr über die Start/Ziellinie, drehte mich um und meine Startnummer leuchtete als 4. Platzierter von der Tafel. Das bedeute für mich zum allerersten Mal die erste Startreihe im Michelincup und natürlich war ich damit hoch zufrieden.
Soweit so gut, aber nachdem euch sicher schon die Bilder hier im Bericht aufgefallen sind, dürftet ihr schon ahnen, dass es etwas anders als gedacht gekommen ist. So ist es auch, und zwar im Zeittraining zum Castrolcup, den ich im Grunde nur wegen der zusätzlichen Trainingsmöglichkeit fahre. Der Offroad war frisch gegossen und deswegen habe ich mich nur auf die äusseren Anlieger konzentriert, da eine schnelle Zeit zu dem Zeitpunkt noch nicht möglich gewesen wäre. Ja, und dann passierte es, im Offroad auf der Geraden kurz vor der Holzrampe über die man auf die Strecke zurück auf den den Asphalt springt, aus dem Nichts heraus auf einmal heftiges Lenkerschlagen hatte. Der Lenker ging 2-3 Mal von links rechts bis zum Anschlag und es hätte mich praktisch auf der Geraden hingelegt, wenn da nicht - ja genau, die Holzrampe gewesen wäre, auf die ich genau zu dem Zeitpunkt gekommen bin, als sich mein Vorderrad nach rechts hinten verabschiedet hat und ich somit praktisch bereits stürzend in Schräglage, und auch quer zur Fahrt/Flugrichtung noch über die Rampe gesprungen bin.
Die Landung war dementsprechend hart, ich glaubte zu spüren wie die linke Hand unter meinem Körper, welche auch noch irgendwie oder wo im Motorrad steckte, brach. Danach kam noch ein heftiger Aufschlag auf den Helm, einige Purzelbäume, den rechten Handschuh hat es mir noch von der Hand gerissen und dann war Ruhe. Ruhe bis auf den lauten Schrei mit dem ?°%$§"&! Wort in meinem Kopf. Ich zog mir den linken Handschuh von der Hand, öffnete den Reissverschluss der Lederkombi am Unterarm und sah eine neue Schikane in dem bereits stark angeschwollenen Unterarm, ganz kurz vor dem Handgelenk. Die roten Flaggen wurden bereits geschwenkt, der Streckenposten hat noch (bevor er bei mir war? - ich weiss es nicht) den Notarzt angefordert. Der Arzt sagte was von Radiusfraktur und nachdem man mir aus der Lederkombi geholfen hat, wurde ich von der Strecke gebracht. Draußen wartete bereits Karin ungeduldig auf uns und als ich ihr meinen Unterarm zeigte, legte sie eimal mit großen Augen den Rückwärtsgang ein.
Mir wurde dann vor Ort der Unterarm geschient, ein Rettungswagen fuhr vor und nach dem ich Karin wieder aus dem Rettungswagen geworfen habe, wurde ich mit Blaulicht, das hat sich der Fritz für mich bestellt, in das Krankenhaus Oberpullendorf eingeliefert. Dort wurde mir erklärt, dass ich einen 'recht komplizierter Trümmerbruch' der Speiche habe, wobei sich die Trümmer unter das Handgelenk verschoben haben, deswegen die Schikane im Unterarm. Mir wurde die Hand wieder eingerichtet und am nächsten Tag bekam ich in einer 2,5 Stunden dauernden Operation eine Titanplatte mit 10 Titanschrauben hineinoperiert. Jetzt kann zumindest niemand mehr behaupten, dass ich zum alten Eisen gehöre. K.rin meint, es ist ihr egal wie lange ich nun brauche um wieder Supermoto fahren zu können, wichtig ist nur das ich bei unserem Sohn, wenn er im Juli auf die Welt kommt, die Windeln wechseln kann. Ich hoffe es wird keine Frühgeburt und weiss wer zufällig wo die Bestzeit beim Windelwechsel liegt?
Im übrigen möchte ich mich auch hier bei der Alex und dem Fritz, wie auch bei seinem Vater bedanken, dass sie meiner Karin beim Einräumen, Verladen und in Wien beim Ausladen und Wegräumen von meinem ganzen Krempel behilflich waren. |