Die Veranstaltung in Aspern hat für uns den Vorteil, dass wir beim Zusammenpacken praktisch alles zu Hause vergessen können, da wir nur 10 Minuten vom Veranstaltungsort entfernt wohnen und alles schnell von zu Hause zur Strecke gebracht werden kann. Letztendlich sieht die Bilanz dann in etwa so aus, man fährt mit dem halb leeren Bus am Freitag zur Strecke und kommt mit einem vollen Bus wieder zurück und hat bis Sonntag in etwa gleich viele Kilometer zurückgelegt, als ob die Veranstaltung im Westen von Österrreich gewesen wäre. Das mit dem vollen Bus ist insofern besonders hervorzuheben, weil ich ein Motorrad weniger zurück bringen musste - mehr dazu aber später.
In Aspern fuhr ich Ende 2004 mein erstes Rennen. In ewiger Erinnerung wird mir die Bekanntschaft mit den 2 Offroadteilen bleiben, der erste war noch so halbwegs erträglich, es war nur ein Sprung hinein, eine langgezogene Kurve durch und eine enge 90° Kurve aus dem Offroad heraus. Bis auf die 90° Kurve, da brauchte man ein wenig Technik, einfach zu fahren. Beim 2. Offroadteil bin ich damals allerdings voll eingegangen. Die Einfahrt, das Anbremsen zur Steilkurve, die Steilkurve selbst und die Ausfahrt aus dem Offroad stellten mich damals vor ein schier unlösbares Problem. Ich fuhr damals auf den vorletzten Startplatz im A-Finale, im letzten Jahr stand ich sogar auf dem letzten Startplatz - ok, das war ja auch nur 2 Rennen später und in insgesamt 4 Wertungsläufen konnte ich keinen einzigen Punkt einfahren. Entsprechend gering waren somit meine Erwartungen.
Am Samstag morgen ging ich die Strecke besichtigen und stellte fest, das der erste Offroadteil stark vergrößert wurde. Nach dem Sprung, den man diesmal gut dosieren musste, ging es durch eine nadelöhrartige Rechtskurve in eine Steilwand-Linkskurve, welche man auch ohne die Steilwand im Flachen fahren konnte, danach folgte eine holprige Gerade über einen Table der praktisch immer übersprungen wurde, wobei die Landung bei dem Tempo dann im Flachen endete. Gleich darauf noch ein Table, welcher etwas größer war und bei dem man das Tempo dosieren musste, da gleich darauf eine S-Kurve, links beginnend, aus dem Offroad führte. Durch die 2 technisch anspruchsvollen Geländeabschnitte sank meine Erwartungshaltung sofort gegen Null, übellaunig zog ich mich für das erste freie Training um und ging auf die Strecke.
In der zweiten Runde verschlug es mir am ersten Table beim Absprung mein Hinterrad, was in Folge zu einer 1A Vorderradlandung im Flachen führte, Lenkerbiss inklusive, und es war ein Wunder das ich nicht zu Sturz kam. Im freien Training beider Klassen konnte ich im Mittelfeld mithalten, was mich doch ein wenig verwunderte, weil das schon mit dem kleineren, ursprünglichen Geländeanteil ein für mich sehr passables Ergebnis gewesen wäre. Im Zeittraining wurde ich sowohl in der S2 Semi Profi, wie auch im Michelin Pilot Power Cup 10., damit war ich dann schon sehr zufrieden. Zu erwähnen wäre noch, daß ich bei meiner KTM kurz vor dem Zeittraining einen Haarriss im Motorblock bemerkte, aus dem Öl austrat. Er war in der Höhe der Ausgleichswelle und legte die Vermutung nahe, dass sich das Lager dahinter zerlegt hat. Für das umstecken der Reifen auf die 450er war keine Zeit mehr und so entschloss ich mich, mit einem flauen Gefühl im Bauch, das Zeittraining noch mit dem möglicherweise bereits waidwunden Motorrad zu bestreiten.
Das Motorrad hat zum Glück durchgehalten, ich stand im Michelin Cup auf der 10. Startposition und es sollte meine letzte Fahrt mit der SMR 580 gewesen sein. Die letzte Fahrt deshalb, weil sie im Winter im Zuge der jährlichen Motorrevision auf 450ccm umgebaut werden solltem was nun wohl im Zuge der Reparatur passieren wird.
Nach dem Rennen in der S2 Semi Profi wurden Räder mit den Micheln Pilot Power auf K.rins SMR 450 montiert, zum defekten Motorrad machte sich zunehmend meine kaputte Bandscheibe bemerkbar, welche mir eine stehende Fahrweise ans Herz, oder besser gesagt, an die Rückenmuskulatur legte, da diese sich immer mehr verhärtete und die Schmerzen im Rücken langsam in den roten Bereich gelangten. Das Problem dabei ist, ich kann stehend nicht ordentlich anbremsen oder 'schnell' um eine Kurve fahren. Sitzend wiederrum musste meine Wirbelsäule die immer schlechter werdende Piste im Gelände schlucken, was auf Dauer einen gewissen Interessenskonflikt auslöste. Schnell und schmerzhaft, langsamer aber dafür erträglicher, war die Frage die mich plagte. Nein, in Wirklichkeit war es keine Frage - solange die Muskulatur nicht komplett blockiert, wird gefahren und aus, so lautete mein Entschluss.
Im ersten Rennen geschah ein kleineres Wunder. Ich machte am Start, es war übrigends zum ersten Mal seit ich Rennen fahre, Plätze gut und konnte mich als 6. durch die ersten Kurven drücken. Im Rennverlauf überholte mich noch ein Gegner im Offroad, ein Anderer versuchte es ihm gleichzutun, was ihm allerdings nicht gelang, da ich mir am Asphalt einen kleinen Abstand rausfahren konnte und er dadurch im Offroad zu spät an mich herankam. Somit konnte ich den ersten Lauf an der 7. Position beenden. Im zweiten Rennen hatte ich weniger Glück am Start, der immer schwieriger werdende Offroadteil war auch nichts mehr fü mich und dann, als ich versuchte den vor mir liegenden Fahrer zu attakieren, kam ich im Offroad an 11. Stelle liegend zu Sturz. Durch den Sturz verlor ich nochmals 5 Positionen und beendete das Rennen an der 16. Stelle.
In Summe war ich mit dem Rennwochende nicht unzufrieden, der Sturz hätte nicht sein müssen, aber letztendlich ist es für mich besser als erwartet gelaufen und nachdem ich noch genügend Schmerztabletten zu Hause hatte, beruhigte sich meine Rückenmuskulatur nach einer Woche wieder. Sicherheitshalber habe ich das geplante Training am darauffolgenden Wochenende ausgelassen, um beim letzten Rennen der Saison '06 in Rechnitz wieder fit zu sein.
Fotos:
Peter Leitl www.photo-x-press.at

