Das was einen Wettbewerbsfahrer antreibt ist das Streben nach einer neuen persönlichen Bestleistung. Schneller, höher, stärker heisst die sportliche Devise, und wenn dann das Ziel der neuen Bestleistung erreicht wird, dann bekommt er die angestrebte Befriedigung und er ist für einige Minuten zufrieden. Danach beginnt das Spiel wieder von vorne, wobei es natürlich von Mal zu Mal schwieriger wird die vergangene Leistung zu überbieten. Zu meinem Glück gibt es für mich beim Supermoto genügend Bereiche in denen ich persönliche Verbesserungen erziehlen kann. So konnte ich z.B. am vergangenen Rennwochenende insgesamt sechs Mal zu Boden gehen - normalerweise schaffe ich das nicht einmal in einem Jahr.
Mit derartigen Leistungen werde ich hoffentlich in Zukunft einen von meiner Teamkollegen, nämlich den fallsüchtigen Fritz, gehörig unter Druck setzen können. Für den Termin in Tirol hatten übrigends alle Teammitglieder diverse Ausreden parat. Die rekonvaleszenten Teammitglieder, Gucci und K.rin werden natürlich entschuldigt, für die anderen müssen wir uns für den nächsten Termin gewisse Tätigkeiten zur Busse einfallen lassen. Vorschläge nehmen wir unter der Mailadresse, auffindbar im Bereich Kontakte, gerne entgegen. Somit war ich der einzige einsatzfähige Fahrer, der von unserer Gruppe am Freitag nachmittag in Neustift eintraf.
Die Strecke war bei der Talstation der Stubaier Gletscherbahn auf 1700m Seehöhe und auf 3 Ebenen
aufgebaut. Die einzelnen Ebenen waren stufenförmig, im Hang angelegte Parkplätze. Am äusseren Rand verband eine Strasse alle 3 Ebenen, auf der von der untersten auf die oberste Ebene hochgefahren wurde. Am anderen Rand wurden die einzelnen Etagen jeweils über eine Offroad -
Böschung zur unteren Etage verlassen. Diese Böschungen waren am Rand mit Holzplatten gesichert, damit ergab sich eine gewisse Absturzsicherheit. Die Start-/Zielgerade war auf der untersten Ebene angelegt, danach kam ein größerer Offroadteil mit 2 Anlieger und am Ende führte ein kleiner Sprung wieder auf den Asphalt zurück. Der Veranstalter hat mit Hilfe des MSC Stubai eine wirklich geniale Strecke errichtet, Schade das sie nach der Veranstaltung wieder abgebaut wurde.
Am Samstag fanden dann bei bestem Wetter die Trainings- und Qualifikationsläufe statt, in der S2 Semi
Profi erreichte ich die 11., im Michelin Cup die 8. Startposition. In Anbetracht der Offroadabschnitte ein für mich durchaus zufriedenstellendes Ergebnis. Im Qualifying zum Michelin Cup gelang mir eine akrobatische Einlage, indem es mir beim Sprung raus auf den Asphalt das Hinterrad verschlug, ich in Folge schräg auf dem Vorderrad landete und dabei sofort zu Sturz kam. Im Dahinpurzeln kam ich irgendwie auf den Füssen zu stehen und nachdem ich noch nicht zu Ruhe gekommen war, musste ich, um nicht wieder zu Boden zu gehen, rückwärts neben dem dahinrutschenden Motorrrad herlaufen. Die Aktion kam beim Publikum gut an, falls also irgendwer einen Slapstick-Komödianten suchen sollte, kann er mit mir jederzeit Kontakt aufnehmen. Am Abend gab es vor Ort noch eine kleine Race Party, eine willkommene Gelegenheit um sich den Bauch zu füllen und ein wenig Benzin zu reden.
In der Nacht auf Sonntag hatte es geregnet und die STrecke trocknete, weil es untertags doch sehr bewölkt war, nur langsam auf.
Das Warmup der diversen Klassen wurde bei feuchter, stellenweiser trockener wie auch nasser Fahrbahn gefahren. Das Warmup zur S2 Semi Profi fuhr ich auf Slicks, weil ich zu faul war um auf Regenreifen zu wechseln, was auf Grund der im weiteren Tagesverlauf zu erwartenden trockenen Strecke auch nicht notwendig erschien. Es war allerdings ein ziemlicher Eiertanz, durch die Nässe zog sich der Schmutz aus den Geländeteilen weit in die Strecke rein, wodurch diese sich dann auch im Trockenen rutschiger als am Vortag präsentierte.
Nach der Mittagspause startete die S2 Semi Profi, nach einem Quersteher in der 3. Kurve verlor ich einige Plätze die ich mir in der 2. Runde wieder holen wollte. Bei dem Versuch ging ich allerdings in der ersten Kurve nach dem Offroad zu Boden und musste danach das Rennen vom Ende her aufnehmen.
Letztendlich kam ich einige Überholmanöver später als 15. ins Ziel. Der erste Lauf zum Michelin Pilot Power Cup gelang da schon besser. Zwar verlor ich am Start wie immer einige Positionen, durch Überholmanöver bzw. Stürze der Gegner kam ich letztendlich wieder an die 8. Position vor, auf der ich schlussendlich auch über die Ziellinie fuhr. Der 2. Lauf ähndelte dem 1. Lauf, die direkten Kontrahenten im Rennen änderten sich zwar, ich beendete das Rennen aber wie schon zuvor an der 8. Position. Somit war es ein für mich recht zufriedenstellendes Wochenende, in dem ich zwar öfter als bei all meinen bisherigen Rennen zusammengezählt, Bodenproben entnommen habe, aber letztendlich ohne nennenswerte Blessuren, an Leib und Gerät, wieder die Heimreise antreten konnte.
Fotos:
Peter Leitl www.photo-x-press.at
Rudolf Rameis www.rameis-racing.at
Karin Joppich

