Image Nachdem wir im Intercup aktiv dabei sind, möchte ich euch näher bringen, warum Zuseher, auch für uns Hobbyfahrer, von äussert wichtiger Bedeutung sind. Das 3. Saisonrennen 2006, ging in Ried auf dem Messegelände über die Bühne. Beim ersten Lauf zum Michelin Cup, auf der Fahrt zur Startaufstellung, ging mir die Kupplung ein. Jetzt frage ich mich, weil das nicht zum ersten Mal vorkommt, warum passiert das immer erst kurz vor einem Rennen? Warum immer in der Warmup-Runde? Wieso passiert das nicht im freien Training? In weiterer Folge verrate ich euch, warum mir Zuschauer besonders wichtig sind.

Die Story:

In der Einführungsrunde, während ich zur Startaufstellung rolle, trennt die Kupplung nicht mehr. Der Motor geht aus und der Leerlauf nur schwer hinein. Heisse Motoren sind immer lässig zu starten, somit war der rechte Fuß vor dem Start gut aufgewärmt und ich keuchte nur ganz verhalten in mich hinein. Mittlerweile habe ich bereits einige Erfahrung wie man mit einer Kupplung die nicht mehr trennt und beim Beschleunigen durchrutscht startet, ohne den Motor dabei abzuwürgen.

Jetzt wird sich der Ein oder Andere fragen wie es möglich ist, dass eine Kupplung rutscht und gleichzeitig nicht trennt. Das ist recht einfach erklärt. Das passiert wenn sich die Stahlscheiben in der Kupplung durch die Hitze aufbiegen. Durch diese Verbiegung wird die Kontaktfläche zu den Reibscheiben vermindert, die Image Kupplung beginnt zu rutschen und die Stahlscheiben werden dabei noch heisser und verbiegen sich solange, bis das Kupplungspaket den gesamten Innenraum vom Kupplungskorb aufgebraucht hat. Das ist wenn alles an den Begrenzungen ansteht. Jetzt ist die Kupplung zwar irgendwie getrennt, aber durch die verbogenen Stahlscheiben trotzdem noch in Verbindung mit dem Antrieb.

Das ist dann so als wenn man, wie beim Anfahren, die Kupplung halb zieht und einschleifen lässt. Nur ist das immer so, auch beim Stehenbleiben, beim Beschleunigen, beim Bremsen, usw.

Aber was soll's, mittlerweile kann ich schon ganz gut damit umgehen und damit ich die Stahlscheiben schnell wechseln kann, habe ich seit dem heurigen Jahr einen SXS Kupplungsdeckel. Mit dem braucht man nicht mehr den gesamte Gehäusedeckel abnehmen - für den Gehäusedeckel müsste noch der Bremshebel un der Kickstarter abgenommen werden, nein - mit dem SXS Teil sind gerade mal 6 Schrauben zu öffnen.

Der Motor ist halt brennheiss, nach so einem Rennen. Der ist nach einer halben Stunde immer noch brennheiss und irgendwann sollte man mit dem Austausch beginnen, wenn noch ein weiterer Lauf ansteht. Wir haben damit begonnen und während wir so dahinschrauben und uns die Finger verbrennen, fällt eine Beilagscheibe, von den Schrauben der Sicherungsspinne der STM Kupplung, in das Motorgehäuse.

In dieser Situation braucht man Zeit, ein wenig Ruhe und Gelassenheit, oder einen unschuldigen Zuschauer den man anschreien kann.

Image Danach beginnt man mit der Abnahme vom Kickstarter, vom Bremshebel, öffnet viele Gehäusedeckelschrauben und begibt sich auf die Suche nach der Beilagscheibe, saugt ein wenig Öl ab und sieht dann irgendwann einmal die kleine Scheibe auf einem Hebel herumliegen. Ok, das Öl hätte also drinnen bleiben können. Nachdem wir dann die Mutter der STM Kupplung nicht aufbekommen haben, es war zuwenig Kraftschluss zwischen den Kupplungsscheiben, schickte ich K.rin um einen Schlagschrauber zu organisieren. Möglicherweise hätte ich jemanden schicken sollen, der nicht in den letzten Wochen ein neues Kreuzband bekommen hat, nur denkt man daran erst wenn die betreffende Person schon länger weg ist.

Was solls, ich hatte die Ruhe und die Gelassenheit, sowie genügend unschuldige Zuschauer die ich anschreien konnte.

Mit dem Schlagschrauber ging es schnell, danach wurden die Scheiben getauscht und weil ich gerade die Spendierhosen an hatte, bekam die Kupplung auch gleich neue Reibscheiben verpasst. Mein üblicher Trick, 2 stärkere Stahlscheiben in der Mitte - damit hält die Kupplung 2-3x so lange, kam auch noch zur Image Anwendung und danach wurde der Deckel geschlossen, Bremshebel drauf, Kickstarter drauf, alles brav eingeklebt und wir hatten noch eine knappe Stunde Zeit. Perfekt. Motorrad aufgerichtet und gesehen das der Gehäusedeckel tropft.

In so einer Situation bin ich die Ruhe und die Gelassenheit in Person, und irgendwie verstand ich den gehetzten Blick des unschuldigen Zuschauers nicht, mit dem ich bei der Gelegenheit einige Worte wechselte.

Also, Motorrad wieder in die stabile Seitenlage gebracht, Kickstarter und Bremshebel abgenommen, viele Gehäusedeckelschrauben geöffnet, danach die eingeklemmte Dichtung befreit und alles in umgekehrter Reihenfolge zusammengebaut. Motorrad aufgerichtet und, ja und - sie tropfte auch weiterhin.

Die Zeit wurde langsam knapp, aber was solls? Ich hatte die Ruhe und die Gelassenheit um mir einen unschuldigen Zuschauer zu suchen (die schlugen mittlerweile einen größeren Bogen um uns herum), und nach kurzer Suche fand ich dann doch noch einen, für den ausstehenden Monolog.

Danach habe ich K.rin um eine neue Deckeldichtung geschickt habe, ja ich weiss, möglicherweise hätte ich jemanden schicken sollen, der nicht in den letzten Wochen ein neues Kreuzband bekommen hat, nur denkt man daran erst wenn die betreffende Person schon länger weg ist, aber wir konnten ja in der Zwischenzeit das Motorrad in die stabile Seitenlage bringen, den Kickstarter und Bremshebel abnehmen, die vielen Gehäusedeckelschrauben...

Wir sind dann 5 Minuten vor dem Start fertig geworden, ich habe mich durch die Zuschauer geschrien und bin rechtzeitig an den Start gekommen. Im Rennen hat sich dann herausgestellt, daß der AntihoppingeffektImage praktisch nicht vorhanden ist, das Kupplungspaket scheint ein wenig zu dick geraten zu sein, ich werde es am Wochenende herausfinden und in den letzten Runden funktionierte die Betätigung mit der Hand schon recht gut, wenn man bedenkt das ich unsere KTMs bislang nur mit Antihopping gefahren bin.

Was solls, es standen genügend Zuschauer an der Strecke herum, und bei dieser Gelegenheit möchte ich mich beim Publikum in aller Form bedanken will. Kommt bitte wieder, ich brauche euch.

Fotos:

Peter Leitl www.photo-x-press.at