Image Seitdem ich Supermoto fahre, kenne ich nur die Hubraumriesen, ich mag es wenn das Moped ordentlich anschiebt, wenn man mit dem Gasgriff in satten Schräglagen eher vorsichtig agieren muss, bzw. fliegt man bei einem Highsider höher und weiter als mit diesen Kinderhubräumen. Letzteres ist für mich als ehemaligen Paragleiter ein nicht unwesentlicher Punkt, dem ich hin und wieder eine gewisse, natürlich nur auf nostalgische Sentimentalität begründete, Aufmerksamkeit zukommen lasse. Naja, ich schweife ab, also zurück zum Thema.

Image K.rins Verletzungspech ist nun meine Chance zur Vertiefung meiner Einblicke in die jugendfreie Hubraumklasse, auch bekannt als die kleine Klasse bis 450ccm, bzw. S2.

Da ich mich gleich nach der Vorlage ihres endgültigen Befundes für die S2 Semi-Profi im Intercup angemeldet habe, hielt ich es für eine gute Idee mich vorher noch ein wenig mit der kleinen SMR anzufreunden und Vergleiche zwischen unseren beiden Kisten zu erfahren, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Ausgangslage:

Unsere KTM SMR Modelle aus dem Jahr 2004, K.rins 450er wurde mit einem K&N Filter ausgestattet, bekam eine Akrapovic- Komplettanlage, Rest ist im Originalzustand und hat ca. 52/53 PS am Hinterrad. Bei meiner ehemaligen SMR 525 wurde nach einem Motorschaden der Hubraum auf 576ccm erhöht, K&N + Akrapovic wie bei der 450er, zusätzlich wurde der Zylinderkopf bearbeitet, die axiale Bremspumpe wurde gegen eine radiale Brembo ersetzt, der Rahmen ist von einer 05er SX, der Rest ist original, am Hinterrad kommen je nach Wartungszustand so um die 62/63PS an.

Beide wurden mit neuen Slicks der gleichen Mischung bereift und so ging nach Rechnitz, wo überraschend wenig Leute unterwegs waren. Optimal für die geplanten Test- und Gewöhnungsfahrten.

Zuerst ging es am Vormittag mit der 450er auf die Strecke, ein wenig einschwingen und dann GAAAS. Wenn man wie ich die 580er gewöhnt ist, dann ist das GAAAS bei der 450er eher ein - gaaAs. Hmmpf, ok - mit Drehmoment ist da nicht viel zu machen, da muss man einen Gang runterschalten und mit einer höheren Drehzahl aus der Kurve raus beschleunigen. Das klang danach eher nach einem – gAASs, nur oben raus könnte das Ding doch bitte ein bisserl mehr anschieben, nur tut sie es nicht und man muss halt ein wenig öfter den Schalthebel benutzen, oder eben im Leistungsnirvana verhungern. Die originale Bremspumpe derImage 450er machte sich ein wenig unangenehm bemerkbar, weil sie bei weitem nicht so klar in Schräglagen zu dosieren ist wie die Radialpumpe, es bremst zwar sehr gut, nur benötigt man mehr Handkraft und die Rückmeldung vom abgebremsten Vorderrad kommt nicht so klar bei den 2 Bremsfingern an und wirkt ein wenig schwammig. Das mag ich absolut nicht, aber weil die Fahrt so oder so nicht so aufregend war, und ich es auf die Schnelle nicht ändern konnte, musste es vorerst einmal dabei bleiben. Gegen die für meinen Geschmack zu weich eingestellte Gabel konnte ich was tun und bin dazu nach 14 Runden, so zeigte es der Laptimer an, von der Strecke gefahren.

Im Fahrerlager habe ich das Motorrad mit einem leichten Gähnen im Gesicht abgestellt. Das verschwand allerdings sehr rasch als ich den Laptimer stoppte und mir die schnellste Runde angezeigt wurde. Mein erster Gedanke war, da steht noch ein 2. Sender herum, ein Blick zur Strecke brachte jedoch keine Bestätigung, da war nur mein Sender zu sehen, also schaute ich mir die Runden vor und nach der schnellsten Runde an. Die waren alle um die 56,6 - 56,9, somit hatte die Zeit ihre Richtigkeit und ich bin beim Warmfahren, und genau so hat es sich für mich angefühlt, noch dazu im ersten Umlauf mit der Kleinen doch tatsächlich in etwa die gleiche Zeit gefahren, wie vor einem Monat bei der Eröffnung mit der Großen. Ich hatte mir letztendlich zwar nichts anderes erwartet, das das allerdings gleich im ersten Umlauf zustande kommt und noch dazu so locker und unspürbar von der Gashand geht, damit habe ich absolut nicht gerechnet. Möglicherweise lag es auch daran weil ich einfach darauf losgefahren bin, weil wenig Verkehr war, weil ich die Strecke nun schon kannte, wie auch immer – was wirklich so geht wollte ich im nächsten Turn mit der Kleinen heraus finden.

Im 2. Turn habe ich dann ein wenig energischer am Lautstärkenregler gedreht und nach meinen üblichen 2-3 Runden piano, einmal auf lauter eingestellt. Die Gabel war jetzt härter, die Bremse natürlich unverändert, der Motor könnte ein wenig interessanter sein, aber auch mit der 450er sind, wenn man in Image tiefer Schräglage Gas gibt, schöne Striche aus der Kurve raus möglich, das Fahren gewann so zunehmend an Dynamik, ohne das ich dabei das grundlegende Gefühl der Selbstverständlichkeit verlor. Der gewählte Gang war zwar nicht immer richtig, tendentiell schaltete ich nach wie vor zu wenig und komme mit einem zu hohen Gang aus der Kurve heraus, die gedachte Ideallinie war aber einfach zu halten und am Ende war als schnellste Runde 55,78 abzulesen, bei ansonst konstant hohen 55 und niedrigen 56er Zeiten.

Nach der Mittagspause kam dann die große an die Reihe. Was soll ich euch dazu sagen? Einfach genial das Teil, es beschleunigt einfach genial aus der Ecke, das Ding bremst das es eine Freude ist, man fühlt das man schnell unterwegs ist, ich erklärte der Kleinen den Krieg und hau 2-3 schnelle Runden auf den Asphalt und schaute nach einer meiner Meinung nach gelungenen Runde, mittlerweile schwer atmend und in Erwartung einer neuen persönlichen Bestzeit, auf den Laptimer.

Meine ersten Gedanken damals:
*ähm*
Da hat’s jetzt was.

Geh bitte? Das kann doch nicht stimmen – der Depp zeigte mir nüchtern 56,3x an und meinte das die nach meinem Gefühl ultimative und beste Runde die ich je in Rechnitz gefahren bin, um gut 0,5s langsamer war als die schnellste Runde mit der 450er und ich nicht einmal an die mit bedeutend weniger körperlichen Aufwand gefahrenen hohen 55 bzw. tiefen 56er Zeiten herangekommen bin.

Fein, wenn das die 580er mitbekommt braucht sie therapeutische Hilfe, wird noch möglicherweise Im Laderaum vom Bus von der Kleinen gehänselt und ist danach nicht mehr zu gebrauchen.

Also bin ich noch einmal raus und mit dem sprichwörtlichen Messer zwischen den Zähnen zum Angriff übergegangen. Kurz das Ergebnis: 55,77 – also eine hundertstel Sekunde schneller als mit der 450er, Image allerdings mit einer Anstrengung mit der ich bestenfalls 2-3 Runden gehen konnte.

Nachdem es an diesem Tag extrem heiss war und ich mich nicht vorzeitig verausgaben wollte, habe ich mich danach auf Liniendiskussionen und vorfahren meiner Linie zurückgezogen, bin abwechselnd mit beiden Mopeds gefahren und im letzten Turn mit der 450er, ich dachte nicht das es an diesem Tag bei mir noch drinnen ist, eine 55,79 gefahren – relativ locker, die Runde ist mir mehr oder weniger einfach passiert.

Am darauffolgenden Wochenende setzte ich die Tests am Pannoniaring fort. Nach 2 Turns am Asphalt, hatte ich mit der 450er eine neue persönliche Bestzeit, danach wurde der Offroadteil geöffnet. Mit Offroad war der Zeitunterschied wie erwartet sogar noch größer.