Der Slovakiaring ist für mich die Rennstrecke
mit dem kürzesten Anreiseweg. Die Strecke liegt nur rund 100km von meinem Wohnsitz entfernt, allerdings muss ich dafür über diverse Bundesstraßen und durch Ortschaften fahren, was wiederum die Anreisezeit auf knapp 2 Stunden hochschraubt. Da ich mich gerade im Urlaub befand, hatte ich genügend Zeit für die Anreise, oder auch wieder nicht, da wir erst am Vortag von unserem Campingurlaub am Ossiachersee zurückgekommen waren. So verbrachte ich den Tag der Anreise mit Wohnwagen aus und einräumen, mit Motorrad und Zubehör verladen, einkaufen und und natürlich mit der Anfahrt zur Strecke.
Am Slovakiaring wurde zuerst einmal die Box bezogen, welche ich größer in Erinnerung hatte. Ab dem heurigen Jahr verfügte eine jede Box über einen Zeitnahmemonitor, auf welchem man das zeitliche Geschehen auf der Strecke live mitverfolgen kann. Die Gebrüder Schuheker und ich belegten schon den Großteil der Box und es fehlten noch Robert und Florian, letzterer ist der Sohn und Ersatzmann vom beruflich verhinderten Wolfgang Seifried.
Beide würden allerdings erst am nächsten Tag eintreffen, also begannen wir einmal mit der Abendunterhaltung und mit der Fliegerabwehr. Das mit der Fliegerabwehr versteht man erst so richtig, wenn man weiss, dass der Slovakiaring in einer Art Sumpfgebiet liegt und die Fluginsekten vor Ort in Anzahl und Größe beeindruckend sind. Am nächsten Tag lernte ich einmal Florian und dessen Bruder kennen, besser gesagt, ich fand 2 Typen im Fahrerlager am Beton vor Wolfgangs Transporter liegend, welche sich gerade den Schlaf aus den Augen rieben. Wir beschlossen noch
schnell eine Box dazuzunehmen und danach bereitete ich mich auf den ersten Turn vor. In Anbetracht der angesagten Temperaturen wollte ich so früh wie nur möglich rausfahren. Auf Grund der geringen Teilnehmerzahl gab es keine Gruppeneinteilung, was einerseits recht fein ist, da man jederzeit hinaus kann, allerdings auch die Gefahr birgt, dass man die Zeit in der Box verplappert. Nach meinem ersten Turn bemerkte ich, dass die Bremsleistung an der KTM rapide abnimmt, brach den Turn ab und wechselte einmal die Bremsbeläge. In der Zwischenzeit trudelt Robert ein, bezieht die Box und wir wollen
gleich einmal gemeinsam auf die Strecke fahren. Es bleibt allerdings beim Wollen, weil Robert, wie wir an der Boxenausfahrt warten, einen fetten Riß im Gummi meines Vorderreifens entdeckt und ich darauf hin einmal meinen Vordereifen wechslen darf. So verstrich der Vormittag und als nächstes stand schon das Qualifying am Programm. Nachdem ich bis dahin viel Zeit in der Box und nur wenig auf der Strecke zugebracht hatte, wollte ich dass Zeittraining voll durchfahren. Dabei übersah ich halt - ja wie soll ich es nur sagen, es ist mir nämlich schon ein bisserl peinlich, also *hüstel*- ach
was solls, - *lufthol* - ich hatte für das gesamte Qualy einfach zuwenig Sprit im Tank und so rollte ich 10 Minuten vor Schluss mit trockenem Tank aus und parkte KTM neben der Strecke. So stand ich in voller Montur in der prallen Sonne herum (im Schatten hatte es so rund 35°C) und wartete auf den Lumpensa.. *ähm* - Pannendienst. Dummheit soll leiden, dachte ich mir - und litt.
Nach der Mittagspause kam das erste Rennen. Die Lufttemperatur stand mittlerweile bei 38° und die
Asphalttemperatur bei 55°C. Zu unserem Glück ging der Vorstart und Start ungewohnt zügig über die Bühne und der Fahrtwind übernahm die Kühlung während Werner und ich uns einen Zweikampf auf der Strecke lieferten. Nach einigen Positionswechsel wollte ich mir Werners Linie einige Runden lang ansehen und dann überraschend zuschlagen. Der neugierige Kerl drehte sich jedoch um und der Überraschungseffekt war dahin. Aber irgendwie sah dieses ständige umdrehen sehr unbequem aus und damit er sich nicht den Hals ausrenkt, beschloss ich, höflich wie ich nun einmal bin, ihn zu überholen und danach vor ihm zu bleiben, damit er es halt bis zum Rennende ein bisserl bequemer hat.
Ich überhole ihn also und der undankbare Kerl saugt sich im Gegenzug an meinem Heck fest. Möglicherweise glaubt er dass es in meinem Windschatten kühler ist. So geht es eine zeitlang dahin. Auf einmal bremst sich Werner nach dem 3. Hügel innen heran - bzw. verbremst er sich. Es geht sich für mich gerade noch aus, dass ich ohne aufzumachen einlenken kann. Ab dem Zeitpunkt will ich ihm keine weitere Möglichkeit des sich innen vorbeibremsens genen und beginne Kampflinie zu fahren. Der Plan geht auf, ich beende das Rennen, drehe mich um und - (?) - sehe weit und breit keinen Werner. Nach dem Rennen erfahre ich von ihm, dass seine Bremse stark nachgelassen und er sich nur mit Ach und Weh ins Ziel
geschleppt hat. Super, die Kampflinie hätte ich mir sparen können, aber ab und zu muss ich dass ja auch trainieren, damit ich's kann, wenn ich's einmal brauch, oder so ähnlich. Robert konnte in seiner Klasse den 2. Platz einfahren und somit wurde nach der Siegerehrung auf das Ergebnis angestossen, geplaudert, ein Bier getrunken, ein weiteres getrunken, Williams Birne verweigert, Florian beim einschlafen beobachtet und nach einem weiteren Bier ging es dann ins Bett. Der nächste Tag sollte genau so heiss werden und ich wollte dafür fit sein.
Der Slovakiaring ist die Strecke im TNT Cup, bei der der höchste Topspeed erziehlt wird und ich stellte mir schon im Vorfeld die Frage, ob die kurze Übersetzung an der RC8 nicht ein bisserl zu kurz sein würde. Am ersten Tag reichte die Übersetzung locker aus und als ich am 2. Tag im freien Fahren am Ende der Start- Zielgeraden in den Begrenzer kam, dachte ich mir, dass ich mich im 5. Gang befand, schaltete auf die erste Kurve einen Gang weniger runter als sonst und verhungerte auf der Geraden zum ersten Hügel. Bitte das gibt es doch nicht, war das jetzt echt der 6. und nicht der 5. Gang? In der darauffolgenden Runde zählte ich brav mit und - es war wirklich der 6. Gang, was ich einer besseren Linie in den letzten 2 Kurven vor der Zielgeraden verdanken konnte. Nachdem die Temperatur immer höher kletterte
versuchte ich Reifen und Kondition zu sparen und war recht wenig auf der Strecke unterwegs. Im Quali fuhr ich zu Beginn eine schnelle Runde und nachdem ich danach auf andere Fahrer auflief, ging es vorerst einmal in die Box. Nach einem Blick auf den Zeitnahmemonitor, ich war zu dem Zeitpunkt an 2. Stelle, und dem Wissen jederzeit nachlegen zu können, bockte ich die KTM auf, legte die Reifenwärmer an und machte es mir vor dem Monitor gemütlich. Die 2. Startreihe sollte sich damit schon ausgehen, dachte ich mir, dass würde mir schon reichen. Im Endeffekt wurde es der 7. Gesamtstartplatz und die KTM blieb deshalb bis zum Rennen in der Box.
Dann kam endlich das Rennen, die Temperaturen waren wie am Vortag. Mein Ziel war es am Start gut weg zu kommen, danach ordentliche Rundenzeiten in den Asphalt zu brennen, damit ich mir gleich zu Beginn einen Abstand auf Werner herauszufahren kann. Leider konnte ich am Start die R1 vom Hermann nicht halten, er zog an mir vorbei und jetzt war genau das eingetreten, was ich nicht wollte. Ich hing hinter einem Fahrer aus einer anderen Rennklasse fest und laufe Gefahr, dass meine eigentlichen Gegner vorne wegfahren konnten. Somit der neue Plan, so schnell wie möglich vorbei.
Auf der Geraden habe ich gegen R1 und Co leider keine Chance, muss in der Kurve möglichst früh ans Gas gehen damit ich bei der darauf folgenden Kurve genügend Nahe drann bin, um überhaupt ans ausbremsen zu denken. Von der Rundenzeit her dürfte der Hermann eigentlich kein Problem sein, nur komme ich einfach nicht aus der Kurve raus, der hintere Reifen hat zu wenig Traktion, ich kämpfe mit kleinen und großen Rutscher, verliere am Kurvenausgang gewaltig und habe ordentlich zu kämpfen um wieder an die R1 ran zu kommen. Ich verstehe die Welt nicht. Im Zeittraining war ich locker fahrend 2 Sekunden schneller und jetzt muss ich alles geben um überhaupt noch am Hermann dran zu bleiben. Mein Hinterreifen muss völlig hinüber sein, schiesst es mir durch den Kopf und nachdem die Rutscher immer heftiger werden, spiele ich sogar mit dem Gedanken aufzugeben. In diesem Augenblick geht Werner an mir vorbei, ich atme durch und versuche drann zu bleiben. Werner kommt schnell an Hermann vorbei, mir gelingt es erst 2 Runden später, Werner ist zu dem Zeitpunkt schon einige Sekunden vor mir. Aber aufgeben wollte ich nun doch nicht mehr und in der letzten Runde war ich in der Kurve 1 wieder hinter ihm.
Vielleicht geht ja noch was, schoss es mir durch den Kopf. Beim rausbeschleunigen nahm er mir erwartungsgemäß einige Meter ab, auf der Bremse versuchte ich alles um das wieder auszugleichen, trotzdem wurde der Abstand wieder etwas größer und als dann noch ein zu überrundender Fahrer auftauchte, gingen meine Chancen gegen Null. Werner kam an einer günstigen Stelle vor dem engen Infield vorbei, ich musste innen, weit weg von der Ideallinie überrunden und danach war der Abstand zu Werner einfach zu groß und das Rennen gelaufen. In der Box erwartete ich einen komplett aufgelösten Hinterreifen zu sehen, nur war dem nicht so. Der hintere Reifen sah einfach gut aus, also optisch sah der super aus.
Ich verstand die Welt nicht mehr. Es war ja nicht heisser als am Tag zuvor, was bitte geht da vor? Dann bemerkte ich es. Bei der unteren Verkleidungswanne hatte sich eine Schraube durch das Polyester gedrückt, was zur Folge hatte, dass die heissen Auspuffgase nicht mehr ungehindert ins Freie strömen konnten, sondern von der Wanne in Richtung Hinterreifen geleitet wurden. Das Polyester der Wanne war im Bereich der Auspufföffnung teilweise weggeschmort, am Ende der Verkleidung kam es immer noch zur Verformung und Blasenbildung. Somit war mir alles klar und mein Plan, dass die KTM die paar Tage bis zum nächsten Termin im Bus verbleiben kann, schmolz dahin wie die Polyesterwanne zuvor.
Die Wanne ist nicht nur öldicht, sie hält auch Schrauben auf, welche sich durch die Vibrationen verabschütteln wollen.
Bereits zum 2. Mal fand ich in der Wanne eine Schraube an (siehe Bilder), welche den Motor mit dem Rahmen verbindet. So hatte die Reparatur auch eine gute Seite, mein Verhältnis zur Harzpanscherei bleibt aber weiterhin gestört.
Fotos:
Katharina und Robert Riesenberger




