Der Red Bull Ring geht heftig auf Motor, Reifen und Bremsbeläge. ImageDie Bremsbeläge, obwohl erst am Ring gewechselt, sind nach 2 Tagen völlig am Ende, ich sollte wohl härtere Beläge nehmen. Die erste Ringhälfte ist reiner  Stop and Go. Gas voll auf, durchschalten, wieder voll runter bremsen, runter schalten, umlegen. Das Ganze geht 3x und danach beginnt für mich erst die Rennstrecke. Die Strecke ist mir, vor allem nach Rijeka, eigentlich zu langweilig um dort außer im Rahmen einer Serie oder sonstigen Jahreskarte noch einmal hinzufahren. Weil ich gerade an Rijeka dachte, der Kontrast zwischen zwei Rennstrecken kann nicht mehr größer ausfallen. Nicht nur vom Streckenlayout und Streckenzustand. Das Fahrerlager und die Gebäude an der Strecke könnten nicht unterschiedlicher sein. Rijeka, wo die Rennstrecke und das Fahrerlager dem äußeren Anschein nach nur knapp am Leben erhalten wird und am Red Bull Ring bekommt man das Gefühl, dass Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt. Nur in Bezug auf die Gastronomie gewinnt Rijeka mir Abstand. Am Red Bull Ring rollt man die Straße wirklich mit Einbruch der Dämmerung bzw. Veranstaltungsende auf. Das Personal verlässt dann fluchtartig die Strecke und falls man sich noch für die Heimfahrt stärken will, muss man sich in der Ortschaft ein Lokal suchen, was allerdings knapp nach 20:00 dann auch nicht mehr  so einfach und selbstverständlich ist. Egal, wir sind nicht verhungert.

Das Wetter hat tatsächlich ausgehalten und es ist trocken geblieben. Am Morgen also schnell mal das Mottorad von den klebrigen Kühlmittelrückständen befreit, mit dem mich Werner in Rijeka, zwar unfreiwillig - dafür aber sehr effizient, beworfen hat. Die Säuberungsaktion hätte Imageich mir sparen können, weil mich gleich zu Beginn des 2. Turns der Istvan mit seinem Öl zugeschmiert hat. Die Geschichte hat sich gleich nach der Boxenausfahrt zugetragen, Istvan fährt vor mir und qualmt fürchterlich. Da muss was defekt sein, denke ich mir und fahre an ihn ran um ihn zu warnen. Kurz bevor ich bei ihm bin macht es 'FLATSCH' auf meinem Visier, dieses ist schlagartig nass, wie wenn man in einen Regenguss gerät. ich gebe ihm Zeichen zum Ranfahren und mache weiter.  Das Zeug auf meinem Visier bleibt, also kein Wasser denke ich mir und weil die Fußraste sich so rutschig anfühlt, fahre ich am Ende der Runde an die Box Imageum nachzusehen. Dort angekommen bemerke ich, dass an meinem Motorrad mehr Öl als an einer Ölsardine klebt. Nicht nur dort, auch an meiner Kombi, Handschuhe und an den Stiefel rinnt, ja wirklich - es rinnt das Öl runter. Während ich das Motorrad und mich säubere, schicke ich Uli zur Racecontrol um Ölbindemittel zu besorgen, bzw. soll sie die darauf hinzuweisen, dass die gesamte Boxengasse mit Öl zugesaut ist. Uli wird dann allerdings mit der Aussage, 'haben wir nicht', wieder zurück geschickt und die gesamte Boxengasse bleibt halt weiterhin ölig.  Der Vormittag ist für mich somit gelaufen und mir verbleibt nur mehr ein Turn bis zum Zeittraining. Das ist natürlich ein bisserl blöd, weil die Konkurrenz fährt mittlerweile bereits 6 Sekunden schneller und nun war genau der Fall eingetreten, den ich am Vortag mit dem Veranstalter diskutierte. Wieso hat ein Jahresfahrer gegenüber einem Tagesfahrer 2 Turns weniger pro Tag? Kurz, weil er die Einteilung macht und aus. Den restlichen Ausführungen (?) konnte ich, sei es aus Mangel an kognitiven Fähigkeiten, oder mangels Alkohol, leider nicht folgen.

Im Zeittraining konnte ich mich direkt neben Werner parken, er hatte eine um 8 Hundertstel schnellere Zeit herausgefahren. Der Start zum ersten Rennen misslang mir einmal kräftig, weil die Startampel ein wenig ungewohnt und unerwartet kam. Dem halbenImage Fahrerfeld ging es nicht besser und so wurde das Starterfeld einmal kräftig durchgemischt. Ich fand mich irgendwo im Nirgendwo, sah Werner überspitzt ausgedrückt am Horizont verschwinden  und hatte massenhaft Gegner zwischen uns. In dieser Situation ist positiv denken angesagt, immerhin ist in den ersten Kurven alles gut gegangen. Bei 49 Startern ist das ja auch keine Selbstverständlichkeit. Im Rennverlauf wurde der Abstand zu Werner immer geringer, ich witterte meine Chance und als er in der ersten Kurve einem hochmotivierten Ausbremser ausweichen musste und dadurch neben die Strecke kam, ging ich an ihm vorbei. Das wollte er sich nicht gefallen lassen und kurz darauf bremste er sich in der ersten Kurve an mir vorbei. Na Moment, so leicht mache ich es dir auch wieder Imagenicht, dachte ich mir, setzte mich im darauffolgenden schnellen Linksknick außen neben ihm hin und war somit in der Bremszone auf die langsame Rechtskurve innen wieder vorbei. Jetzt hätte ich halt vorne weg fahren müssen, nur genau das gelang mir nicht. In einigen Streckenabschnitten war ich schlichtweg zu langsam und bei den Überrundungen war oder bin ich halt einfach zu höflich, was so viel heißt wie,  ich bin mir beim Überholen von deutlich langsameren Teilnehmern zu unsicher. Wenn der Überholvorgang nicht vor oder nach der Kurve oder der Kurvenkombination passiert, stelle ich mich brav hinten an und warte halt ab. Wie im freien Training eben. Neben meinen mir bereits bekannten Schwächen für Frauen, Bier und Rockmusik, kommt jetzt auch noch die Höflichkeit dazu. Bis zum nächsten Termin werde ich mir eine dieser Schwächen wieder abgewöhnen - ich verspreche es.

Weiter zum Rennen, ich stelle mich also wieder brav hinter einem zur Überrundung anstehenden Fahrer an, mache schon vorher früh das Gas zu und Werner donnert an mir vorbei. 'Egal', dachte ich mir, 'nach dem Omega überhole ich den vor mir und die verbleibenden 1,5 Runden bin ich lieber hinter Werner als vor ihm.' In dem Moment geht an mir im Omega ein Gixxer vorbei. 'Kreisch! Wo bitte kommt der auf einmal Imagedaher?' F*CK! Mit dem habe ich natürlich nicht gerechnet. Die verbleibende Zeit versuche ich am Gixxertreiber wieder vorbei zu kommen, aber es gelingt mir nicht. Wir halten uns damit gegenseitig auf und Werner kann entkommen, da hilft es auch nicht mehr, dass er in der letzten Kurve noch auf langsamere Fahrer aufläuft. Es war aber ein geiler Fight, das Rennen zu keiner Zeit langweilig und während ich noch mein verdientes alles gut gegangen Bier inhalierte, dachte ich an die Streckenabschnitte, wo ich meiner Ansicht nach viel Zeit liegen lasse. Den Abend ließen wir wieder in geselliger Runde in der Box ausklingen. Istvan hatte irgendwelche hochprozentigen Flüssigkeiten aus Kroatien mitgenommen, welche wir streng wissenschaftlich - da war ein Alkomat im Spiel, verteilten.

Am zweiten Tag rechneten wir fix mit Regen, aber bis auf einige Tropfen im ersten Turn blieb es den ganzen Tag über trocken und am Nachmittag kam immer mehr die Sonne durch. Meinem Hinterreifen wurde es langsam zuviel und er begann ein wenig aufzureißen. Ich beschloss im Training ein wenig schonender zu Fahren und konzentrierte mich nur mehr auf einzelne Streckenabschnitte. Das Zeittraining verlief zufriedenstellend, von einer freien Runde kann ich zwar nicht berichten, jedoch hatte ich zumindest in den letzten 2 Runden günstige Überholmanöver, also entweder noch vor der Kurve, oder halt danach. Ich konnte mich um eine Startreihe verbessern, stand jetzt in der 4. und um mich herum gesellten sich die üblichen Verdächtigen. Vom Start wurde ich diesmal nicht überrascht, die anderen Fahrer auch nicht, Werner gelang ein traumhafter Start, zog in der ersten Kurve nicht nur an mir sondern auch gleich noch an Tom vorbei, ich bekam einen kleinen Schubser von hinten und verlor dadurch gleich noch einige Plätze. The same procedure Image as every race, James - ähm Reinhard. Einige Plätze konnte ich schnell wieder gut machen. Danach blieb ich allerdings hinter dem Erwin hängen. Der Kerl ist auf der Bremse wirklich bewundernswert, unpackbar wann er bremst, manchmal auch zu spät und so kommt er mehrmals in der vorletzten Kurve über die Curbs neben die Strecke, aber weil die dort ebenfalls asphaltiert ist, auch wieder recht schnell auf die Strecke zurück und es geht sich gerade nicht aus, dass ich vor der letzten Kurve auf die Start/Ziel an ihm vorbei komme. Zweimal nehme ich wegen seiner Ausritte mehr Schwung auf die Zielgerade mit, kann ihn überholen, er jedoch kontert sofort in der ersten Kurve, zieht auf der Bremse wieder an mir vorbei und das Spiel beginnt wieder von vorne. Ich spüre dass ich schneller kann, ich weiß das ich schneller kann und muss zusehen, wie Werner zunehmend an Boden gewinnt und bekomme es mit einer weiteren RC8 in der ersten Kurve zu tun. Was ist denn hier auf einmal los? 'Bin ich wirklich so thermolabil auf der Bremse, dass sich ein Jeder denkt, er kann sich hier beliebig an mir vorbeibremsen?', schießt es mir durch den Kopf, merke aber das der Fahrer einige Probleme mit dem Einlenken bekommt und kontere innen. Ich sehe nur kurz ein weisses Heck und eine 7irgendwas Startnummer am Heck und denke mir dass es der Alexander ist, welcher in der Gesamtwertung direkt hinter mir liegt. Erst später auf den Fotos und auf Grund der Ergebnisliste merke ich, dass es sich dabei um Uwe handeln muss, der allem Anschein nach von einer R1 auf eine KTM RC8-R Track gewechselt hat. Dadurch hat Image Erwin wieder einige Meter gut machen können und ich muss erst wieder die Lücke schließen. 2 Runden später wieder das gleiche Spiel mit Uwe und wie ich wieder auf Erwin auflaufe, fährt er diesmal noch weiter in der vorletzten Kurve raus und ich gehe endgültig an ihm vorbei. In den verbleibenden 2 Runden will ich einen Abstand zu den mir im Nacken sitzenenden Fahrer herausfahren und gleichzeitig begebe ich mich auf die Verfolgungsjagd von Matthias und Werner. Der Abstand schmilzt zwar kräftig weg, auf meine Verfolger kann ich beinahe 4 Sekunden herausfahren, aber nach vorne fehlen mir dann doch noch rund 2,5 Sekunden. Es war aber wieder ein recht lässiges und lehrreiches Rennen für mich, meine todo Liste für die verbleibenden 4 Rennen wird jedoch immer länger, aber jetzt brauche ich vorerst einmal ein wenig Ruhe vom Motorradfahren.