Der 5. und 6. Wertungslauf zum KTM TNT Cup sollte
auf der Rennstrecke in Rijeka ausgetragen werden, die bekanntlich außerhalb der EU Grenzen liegt und somit für Fahrer mit einem nicht zugelassenen Motorrad, somit auch für mich, ein kleines Problem darstellt. Korrekt wäre es, wenn man sich bei der WKO ein Carnet löst, was einiges an Zeit und Geld kostet, oder es, so wie ich, einfach ausprobiert, ob man auch ohne über die Grenze kommt. Machen wir es kurz, ich bin hinüber und wieder rüber gekommen. Hinüber ohne Probleme und bei der Wiedereinreise hat sich der Zöllner die Papiere, die ich ihm auf seine Frage ob das Motorrad ein Kennzeichen hat in die Hand gedrückt habe, nicht so genau angesehen.
Die Rennstrecke kannte ich noch nicht, die Anreise verlief am Mittwoch recht zügig und ich kann mittlerweile stolz verkünden, dass ich das Meer schon einmal von Weitem gesehen habe, immerhin. Die Strecke liegt in den Bergen, der Zustand und das Fahrerlager erinnerten mich stark an meine Supermotozeit.
Deshalb schlug ich am Abend nach dem Ausladen eine Begehung der Strecke vor, wie in alten Zeiten, mit einem Bier in der Hand in Kurvendiskussionen vertieft. Die Strecke ist sehr rissig, Kiesbetten sind kaum bis gar nicht vorhanden, die Auslaufzonen gering und die Leitplanken verrostet. Das ist was sehr Schönes und ich schwelgte weiter in Erinnerungen. Das enge, kurvige Infield der Strecke wäre mit der 450er SMR sicher ein Spaß gewesen, mit der RC8 sah ich da aber einiges an Arbeit auf mich zukommen. Am Abend wurde noch gegrillt, geplaudert und nach Mitternacht ging es ab in den Wohnwagen.
In der Nacht begann es wie angekündigt zu regnen, am Morgen wechselte sich der Regen mit Regenpausen ab und ich begann die Regenreifen herzurichten. Prompt nachdem ich die Regenreifen aufgezogen und das hintere Rad bereits am Motorrad montiert hatte, hörte der Regen auf.
Einige gingen mit Regenreifen und andere mit Slicks auf die Strecke, letzteres fand ich bei den aufsteigenden Gischtwolken sehr beachtlich. Am späten Vormittag entschloss ich mich auf Slicks umzustecken und auf die noch feuchte Strecke zu gehen. Der Vormittag war fast vorbei, das Zeittraining nahte und ich kannte die Strecke immer noch nicht. Die Strecke kann wirklich was, sie ist zügig und leicht zu merken. Im kurvigen Teil braucht man eine gute Linie, Kraft, Kondition und wegen der Schläge die man ins Fahrwerk bekommt, auch gute Nerven beim anbremsen und raus beschleunigen. Das war vor allem für Robert ein Problem, da dieser justament vor der Veranstaltung Probleme mit seiner Schulter bekommen hatte und nur unter Schmerzen fahren konnte. Zu seinem Pech ist Rijeka wirklich eine ganz schlechte Strecke, wenn man gesundheitlich
nicht ganz auf der Höhe ist. Als nächstes kam das Zeittraining in dem ich mich zwar verbessern konnte, aber da alle Klassen gleichzeitig draußen waren, hielt sich die Verbesserung der Rundenzeit in Grenzen. Es war halt wie immer ein Glücksspiel eine freie Runde zu bekommen. Letztendlich landete Robert auf den 10. und ich auf den 13. Startplatz. Das Rennen wurde ebenso mit alle Klassen gestartet, eine Entscheidung die ich persönlich nicht für sehr klug halte, da man sich hierbei ständig mit Fahrern andere Klassen balgt und ich finde es persönlich auch gefährlich, wenn
Fahrzeugklassen mit stark unterschiedlichen Linien und Topspeed in einem Rennen aufeinander treffen. Im freien Fahren geht man halt rechtzeitig vom Gas, im Rennen geht das halt nur bedingt, ansonsten braucht man meiner Ansicht nach gar kein Rennen fahren. Der Start verlief für mich mittelprächtig, ich konnte mich zwar an Robert vorbeischieben, der wollte das aber nicht so im Raum stehen lassen und schlug in der ersten Kurve zurück. Ok, so stellte ich mich halt hinten an und wartete darauf, dass sich der Pulk vor mir beruhigt. Zwischenzeitlich musste ich in der Kurve aufmachen und über die Curbs räubern, weil mich ansonsten ein von hinten kommender Einzylinder abgeräumt hätte. Der war gerade mit einem anderen Fahrer in einem
Positionskampf verwickelt und dadurch vermutlich mit ein wenig zu viel im in-god-we-trust-mode unterwegs. Es ist ja alles gut gegangen und weil ich weit weg von der Ideallinie war, schlüpfte sein Gegner auch gleich durch. 'Soll so sein', dachte ich mir, 'die haben die Motivation und ich dafür die Leistung', setzte mich hinter die Beiden, übte mich im verwinkelten Streckenteil in Geduld und zog Ihnen auf der Start / Zielgeraden uneinholbar davon. Danach musste ich mich wieder an Robert heranfahren, der seinerseits versuchte an einer R6 vorbei zu kommen, aber mit fortwährender Renndauer mehr mit seiner Schulter als mit der R6 zu kämpfen hatte und somit langsam von seinem Vordermann abriss. Das fand ich gut, weil die Strecke mir schnell die Grenzen meiner Kondition aufzeigte. Im letzten Drittel bäumte er sich jedoch wieder auf und fuhr
die Lücke zur R6 wieder zu. Am liebsten hätte ich ihn erwürgt dafür. Wir hätten bis zum Rennende eine ruhige Kugel schieben können, aber nein - dieser elendige Streber! Am Horizont taucht eine Gruppe von ca. 6 Fahrern auf, die zur Überrundung anstehen. Wir 3 schießen auf diese Gruppe zu, die R6 kommt noch recht gut durch, Robert und ich müssen uns allerdings anstellen und verlieren in einer Runde 6 Sekunden auf unsere normale Rundenzeit im Rennen. Robert schüttelte den Kopf, einer der zur Überrundung anstehenden Fahrer kreuzt wieder einmal die Ideallinie, er muss kurz vom Gas und ich ziehe innen vorbei. Natürlich völlig unabsichtlich, aber weil ich gerade vor ihm lag, wurde es Zeit meine Dankbarkeit für seine Führungsarbeit zu zeigen und der Anstand gebot es mir,
dass ich die Führung im weiteren Rennverlauf übernahm. Gedacht getan. Es ging zwar nur mehr eine Runde, aber zumindest konnte ich ihm meinen guten Willen zeigen. Robert wurde in seiner Klasse 3. und nach der Siegerehrung ließen wir bei Speis, Trank und geistreichen Gesprächen, den Abend und die halbe Nacht ausklingen.
Am nächsten Tag war gutes Wetter angesagt und auf Grund der geringen Teilnehmerzahl wurde die Gruppeneinteilung aufgehoben. Auch gut, aber man muss sich halt nur irgendwann einmal dazu aufraffen auf die Strecke zu fahren, weil ansonsten ruckzuck das Zeittraining da ist und man zuvor noch gar nicht auf der Strecke war. Wir fuhren 2
Turns am Vormittag, den ersten Turn brauchte ich zum warm werden und beim Zweiten wollte ich mal schauen, was so geht und ja - zu meinem Glück ging was. Zuversichtlich wartete ich auf das Zeittraining und fuhr, weil ich wieder recht viel Verkehr erwartete, gleich zu Beginn raus. In der Einführungsrunde überholte ich sofort einige Fahrer, sah auf der Start/Ziel dass alles frei war und versuchte gleich in der ersten Runde eine gute Zeit hinzulegen. Es gelang und nachdem ich in der darauffolgenden Runde auf langsamere Fahrer auflief, nahm ich das Tempo raus, vernichtete etwas Sprit und kam bei der Hälfte des Zeittrainings in die Box. Robert stand auch diesmal wieder auf dem 10. Startplatz, ich
konnte mich auf den 7. verbessern. Am Start zieht Werner an mir vorbei, ich hänge mich an und überhole ihn nach der ersten Runde. Jetzt wollte ich so schnell wie möglich an Uwe mit seiner R1 vorbei und mit einigen schnellen Runden ein wenig Land gewinnen, nur komme ich an Uwe nicht vorbei, werde in der 3. Runde wieder von Werner auf geschnupft und während er sich mit dem Uwe beschäftigt, sticht mir auch noch der Josef rein. Super, die Rundenzeiten liegen ca. 3 Sekunden über dem vom Zeittraining und 2 Runden später habe ich das Visier voller Wasser. Mist, jetzt beginnt es auch noch zu regnen. Werner hebt die Hand und wird langsamer. Ich überlege es ihm gleich zu tun, gehe vom Gas und verliere
noch 2 Plätze, zuerst an einen 2 Zylinder und danach gleich noch an eine R6. Ich beschließe einmal vorsichtig hinterher zu fahren und mal abwarten was das Wetter so macht. Komisch, nach einer Runde kommt kein neues Wasser an mein Visier und die Strecke ist trocken. Hmm, ich denk nicht mehr darüber nach, ärgere mich über die verlorenen Plätze und gebe Gas. Nach und nach hole ich mir die Plätze wieder zurück, arbeite mich durch den Pulk der zu Überrundung anstehenden Fahrer und hatte während des gesamten Rennens
keine einzige freie Runde. Ich entschuldige mich bei den Fahrern die es beim überholt werden fast vom Bock gerissen hat, aber ich hatte absolut keine Lust mehr mich hinten anzustellen. Zumindest konnte ich noch den 3. Platz in der Zweizylinderklasse einfahren, was meine Stimmung dann doch noch ein wenig aufhellte.
Nach der Siegerehrung ließen wir den Abend wieder in kleiner Runde im Fahrerlager ausklingen, in der Früh noch schnell zusammengepackt, verabschiedet und nach Hause gefahren. Die Rückreise war ein wenig durchwachsen, in Summe 8 Stunden davon 2,5 Stunden im Stau und ich bin dann entsprechend müde in Wien angekommen.
Fotos:
Katharina und Robert Riesenberger (http://doppel-r.is-ur.org)

