Als ich am Donnerstagnachmittag zum Pannoniaring aufgebrochen bin,
hatte ich absolut keine Lust auf Motorradfahren. Eigentlich ist mir alles am Arsch gegangen. Lieber hätte ich das verlängerte Wochenende@home bei der Familie verbracht. Lieber hätte ich den Heli in die Luft geworfen. Lieber hätte ich alles Mögliche gemacht und ich fragte mich hunderte Male, warum ich mir das überhaupt antue und wäre um ein Haar zu Hause geblieben.
Egal - so konnte ich Donnerstagabend noch einen Modellhelipiloten beim Kunstflug aus der Boxengasse zusehen - war nicht schlecht was der so abgezogen hat.
Am Freitag beim ersten Turn ging mal gar nichts, die Bremse bremste seltsam und ich fragte mich während der ersten Runden, ob da irgendwas auf die Beläge oder auf die Scheiben gekommen ist, überall lag Ölbindemittel auf der Strecke und auf der Start/Ziel
wurde die gelb-rot gestreifte Flagge geschwenkt. In der 2. Kurve lag ein Fahrer mit weißem Motorrad und weißer Kombi im Gemüse, den ich irrtümlicher Weise für den Robert hielt. Zur Hälfte brach ich den Turn ab und fuhr in die Box. Bis zum nächsten Turn wechselte ich die Bremsbeläge und mit diesen verlief der 2. und 3. Turn recht zufriedenstellend. Am Vormittag merkte ich dann, dass der Kühler irgendwo an der Oberseite undicht sein muss, da eine Kühlwasserspur über die Verkleidung lief und beim 4. Turn, so nach 2-3 Runden, brach dann noch die untere Strebe des linken Fußrastenträgers, was ein hochschalten praktisch unmöglich machte. Also wieder rausgefahren, zur Ducatiwerkstatt vor Ort gepilgert, dort einmal einen ordnungsgemäßen Reparaturauftrag ausgefüllt,
einen weiteren Turn versäumt um danach zum letzten Turn des Tages auf die Strecke zu fahren. Der Träger hielt genau 2,5 Runden, dann brach er erneut knapp hinter der Schweißnaht. Ist halt so ein komischer Alulegierungsgußschmarrn und ich mache der Werkstatt keinen Vorwurf, sowas kann eben halten, muss aber nicht. Der Mechaniker wollte es am nächsten Tag nochmal versuchen, vermutlich betrachtete er es jetzt als Herausforderung und dachte sich: „Mit mir nicht - du deppertes Stück Metall du!“ Am Abend begab ich mich mit Robert auf die Suche nach dem Loch im Kühler, welches wir nicht fanden und im Endeffekt gingen nur wir und nicht der Kühler dicht.
Am Samstag begann einmal das Warten und ich wusste nicht, ob das mit dem Fußrastenträger noch was wird, ob das Loch im Kühler größer wird und irgendwie bereitete ich mich schon auf die vorzeitige Abreise vor. Das war wenigstens ein kleiner Lichtblick. Vermutlich hielt mich nur die Tatsache vor Ort,
dass ich am Vortag nur 2 volle Turns fahren konnte. Ein bisserl widerwillig legte ich die Reifenwärmer an, zwängte mich in die Kombi und warte auf den Mechaniker. Der kam dann auch genau 5 Minuten vor meinem Turn in die Box, schraubte den Träger ans Mopped und ich konnte noch rechtzeitig auf die Strecke. Kurz, der Träger hielt, der Kühler verlor weiterhin Wasser und ich bastelte mir eine Art Papierwindel für den Kühler, die ich dann von Turn zu Turn verbesserte. Bei Interesse könnt ihr diese Windel bei mir bestellen, die wäre jetzt serienreif. Das freie Fahren am Vormittag galt als Zeittraining, ich konnte mich mit meiner Zeit als 10. und Robert als 12. in die Startaufstellung stellen. Im Rennen gelang Robert ein sehr guter Start und ich musste mich einmal hinter ihm einreihen. Nach den ersten Runden und
nachdem sich das Feld wieder sortiert hat, hängte ich mich an Robert dran und überlegte mir wo ein Überholmanöver möglich wäre. Meine Strategie für die letzte Runde - ich muss vor der Kurve 10 an ihm vorbei gehen, weil ab dieser ist er bis nach der Hauskurve immer schneller als ich unterwegs und wenn er als erster in die Kurve 10 geht, dann kommt er auch als erster von uns über die Ziellinie. Ich hielt das für einen guten Plan, fuhr weiterhin hinter ihm her und warte auf die letzte Runde. Solange musste ich dann letztendlich nicht warten, da er sich in der vorletzten Runde nach Kurve 2 im Gang irrte und als höflicher Mensch nehme ich so ein Geschenk natürlich gerne an und weil ich so ein netter Kerl bin, hielt ich ihm danach die Ideallinie bis zum Rennende frei. Nur wollte er nicht so recht an mir vorbei und somit ging ich als 7. und er als 8. über die Ziellinie. Nach dem Rennen faselte er irgendwas von Kampflinie, ich habe natürlich keine Ahnung was das ist...
Der Sonntag begann stark bewölkt mit Nieselregen, mein Kühler war noch immer undicht und ich wollte
immer noch nicht Motorradfahren. Nachdem es abzusehen war, dass wohl die ersten 1-2 Turns ins Wasser fallen würden, begann ich mit dem Packen. Das Nieseln ging in Regen über und ich machte mich so gegen 10:30 auf den Weg nach Hause. Endlich.
Die Fußrastenplatte ist bereits bestellt, ebenso die Bremsbeläge. Am Wochenende werde ich den Kühler zur Reparatur ausbauen und bis Rijeka muss ich noch einen Öl- und Reifenwechseltag einlegen, also - falls ich die Zeit dafür finde. Möglicherweise finde ich mit der Zeit auch meine Motivation wieder. Eine Vermutung hätte ich schon, die müsste derzeit irgendwo im Keller zu finden sein.
Fotos:
Katharina und Robert Riesenberger (http://doppel-r.is-ur.org)
Panphoto
Damaro Racing (http://www.damaro.at)

