Fotos mit freundlicher Genehmigung von:
Katharina und Robert Riesenberger (http://doppel-r.is-ur.org)
Gerhard Gegenleitner
Das Vorhaben:
Wie bereits im Vorjahr beschlossen Robert (Doppel-R) und ich wieder beim Yetirace am Pannoniaring teilzunehmen. Das ist jetzt praktisch unser Ritual zur Saisoneröffnung. Im Vorjahr konnten wir bei extremen Bedingungen (Bericht Yetirace 2010 ) den 2. Platz einfahren, heuer war recht gutes Wetter vorhergesagt und deswegen reduzierten wir unsere zahlreichen Ziele auf ein wesentliches. Wir wollten das deutsche Team Dukecity, welches unter der Führung von Norbert (edefauler) startete, herbrennen und ja - vielleicht könnten wir uns noch um den ein oder anderen Platz gegenüber dem Vorjahr verbessern. Mehr wollten wir gar nicht erreichen.
Die Strategie:
Wie bereits im Vorjahr schmuggelten wir Thomas (der kleine Schuh) in das Team der Dukecity. Das sollte uns schon einmal einen nicht zu unterschätzenden Vorteil verschaffen. Des Weiteren wollten wir bei trockenen Bedingungen mit der Suzuki GSX-R 750 vom Robert und bei nicht so guten Bedingungen mit meiner KTM 450 SMR antreten.
Die Vorbereitung:
Wie bereits im Vorjahr sagte ich zu K.rin, ich pack nur mal schnell meine Sachen für morgen in den Bus und ändere die Übersetzung an der SMR. 3,5 Stunden und 3 Kettenschlösser später, aber das ist eine andere Geschichte, war es finster, der Bus beladen und ich vor lauter fluchen heiser..
Die Anreise und Ankunft:
Wie bereits im Vorjahr fuhr ich am Sonntag in der Früh zum Pann. Diesmal hatte es nur -2°C und die Straßen waren schneefrei und trocken. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich mir jemals für ein Rennen Schnee, Regen, oder sonstigen wetterliche Grausamkeiten wünschen würde. Aber jetzt würde es mir schon passen,
das wirkt nämlich immer so abschreckend auf die ernsthaften Rennfahrer. Am Ring teilten wir uns wieder die Box mit der Dukecity, oder besser gesagt, wir zogen wieder als Utermieter ein. Norbert und der kleine Schuh hatten bereits am Samstag eifrig trainiert, Robert und ich hatten das nicht nötig, weil wir ja den kleinen Schuh bereits im richtigen Team hatten. In der Box stand bereits die GSX-R vom Robert und weil mich keiner dabei sehen konnte, nahm ich eimal am Fahrersitz Platz. Meine Güte ist das Ding klein und kompakt. Fetter Tank, der Lenker so nah und alles so ungewohnt japanerhaft, eigentlich sollte es mir auf den Leib zugeschnitten sein. Endlich erreiche ich wieder einmal mit mehr als nur der großen Zehe den Boden.
Total ungewohnt und es war irgendwie ein komisches Gefühl, auf einem Motorrad zu sitzen, welches ich vor Jahren selbst gefahren und mit deren Vorgängermodell mein Motorradleben begann.
Das kleine Biest:
Wie bereits im Vorjahr dachte ich mir, es wäre vermutlich besser mit der SMR zu fahren, weil mit ein bisserl mehr als 50 PS tun die Stürze nicht so weh und kaputt wird bei einer Supermoto im Fall der Fälle auch nicht viel. Der Motor würde mir halt ein wenig leid tun, wenn der hoch gehen würde, aber auch für den gäbe es aus der SX Ersatz. Die SMR bemerkt meinen Zwiespalt, erkennt die Gelegenheit und knurrt sowas wie, vergiss das abgelaufene Sushi auf dem du sitzt. Leg mir die
Reifenwärmer auf meine gut abgestandenen Slicks und ich versprech dir das, wenn du den heutigen Tag mit mir verbringst, du diesen nicht mehr so schnell vergessen wirst. Wir zwei, endlich wieder einmal zusammen, es wird wie in unseren besten Tagen sein und du bist es mir auch schuldig. Weil während ich ein- bis zweimal im Jahr die Tiefgarage verlassen darf, steht die RC8 bei dir im Wohnzimmer, mit ihr unternimmst du Reisen quer durch Europa. Es soll so sein, aber wenigstens an einem Tag im Jahr lass mich wieder deine Nummer 1 sein, soviel zumindest bist du mir wegen unserer Vergangenheit schuldig. In dem Moment bog Robert mit seiner Gattin um die Ecke und begrüßte mich mit: 'Na hallo, gewöhnst du dich schon an die GSX-R?'
Ein bisserl abwesend murmelte ich sowas wie: 'Ich versuch's.'
Das Training:
Wie bereits im Vorjahr beschlossen wir gemeinsam auf die Strecke zu fahren, nur hatten wir diesmal 2 funktionsfähige Motorräder mit und konnten diesmal unser Vorhaben in die Tat umsetzen. Es war arsch kalt, aber es war trocken und würde auch trocken bleiben, zumindest solange die vereinzelten Eisplatten neben der Strecke nicht aufschmelzen würden. Robert fährt vor, ich folge. Wir schauen uns ein, zwei Runden die Fahrbahn an, schaut eh nicht so schlecht aus denk ich mir und um einmal zu testen wie viel Grip nun wirklich vorhanden ist, wechseln wir die Position und ich fahre vor. Geht eigentlich eh eh ganz gut, ok - die Bremse
kommt nicht auf Temperatur bzw. kühlt auf den langen Geraden wieder aus und wirkt deswegen recht lasch, am Bremshebel fehlt der knackige Druckpunkt und ich brauche für die Betätigung mehr Kraft . Am Vorderrad kommt kein Vertrauen auf, sei es wegen dem 5 Jahre alten Slick, wegen der Temperatur, oder wegen Beidem. Ich beschließe in der Doppelrechts zur Senke hinab die KTM mal so richtig schräg zu legen, um zu sehen, wie sich die KTM in artgerechter Schräglage verhält und fliege dabei ansatzlos über das Vorderrad ab. Nachdem ich während der Rutschphase schon aufstehen will, sogar das Stürzen habe ich mittlerweile verlernt, überschlägt es mich einige Male, wobei der erste
Aufschlag zum Glück mit dem behelmten Kopf abfangen wird und die für das Fahren wichtigen Körperteile geschont werden. Also doch nicht alles verlernt. Die KTM und ich liegen im Dreck, genau wie in der guten alten Zeit. 'Du kleines, mieses, unartiges Biest!', die KTM kichert vor sich hin, ich wimmle den Streckenposten ab, putze den gröbsten Dreck von mir und der KTM und weiter geht's. Wieder in der Box kommt Robert auf den Gedanken der Luftdrucküberprüfung. Kein schlechter Gedanke, wir hatten nämlich beide nur knapp über 1 bar in den Reifen. Im darauf folgenden Turn lief es dann schon besser,
Robert und ich absolvierten im Formationsflug einige Trainingsrunden und nachdem wir im freien Training an der 2. Position lagen, wusste ich ab diesem Zeitpunkt, dass ich mit der KTM fahren werde.
Die Abänderung:
Wie bereits im Vorjahr änderten wir auch heuer unsere Strategie noch vor dem Start. Das Rennen war als 2 Stundenrennen ausgeschrieben, in der ersten Stunde ging es links, in der zweiten Stunde rechts herum, wobei nach der ersten Stunde weder der Fahrer, noch Motorrad gewechselt werden durften. Die Fahrer mußen sich mit ihren Motorräder in einem eigenen Bereich einfinden, es durfte weder Fahrzeug noch der Fahrer gewechselt und es durfte auch nicht nachgetankt werden.
Wer es doch tat, durfte erst nach der ersten Runde auf die Strecke. Zuerst wollten wir alle 30 Minuten wechseln, jetzt hatte Robert den Einfall, dass ich mit der KTM beginne, nach 30 Minuten zum Wechsel in die Box fahre, danach fährt er die erste Stunde zu Ende und fährt auch gleich die darauffolgenden 30 Minuten, weil solange sollte der Sprit im Gixxer schon reichen und ich fahre dann wieder die letzten 30 Minuten und wir ersparen uns dabei einen Wechsel.
Das Rennen:
Wie bereits im Vorjahr wurde das Rennen mit einem Le Mans Start eröffnet. Ich stand also am Start und unterhielt mich gerade mit dem Kollegen neben mir, als ich bemerkte das Robert auf der anderen Streckenseite wild herumfuchtelt. 'Hab ich was versäumt?', dachte ich mir gerade, ahja -klar, ich hatte nur den Start
verschlafen und die restlichen Fahrer waren bereits am Weg zu ihren Fahrzeugen. 2-3 Fahrer waren am Start noch langsamer als ich, den größten Teil holte ich aber bereits wieder in den ersten 2 Runden ein und die die jetzt noch vor mir lagen, waren so oder so zu schnell für mich und ich fuhr ein recht langweiliges Rennen, einzig mein Vorderreifen hielt die Spannung aufrecht, der alte Dunlop hat ausgedient und wenn man auf Grund der fehlenden Endgeschwindigkeit wenig bremsen muss, kühlt das Vorderrad dabei natürlich noch mehr aus.
Nach einer halben Stunde fuhr ich zum Fahrerwechsel raus und nachdem ich die KTM versorgt hatte, schaute ich zur Zeitnahme vor. Wir lagen an 4. Stelle und das Team der Dukecity lag auf Platz 6. Nachdem der 3. Platzierte zum Wechseln an die Box fuhr, übernahmen wir den 3. Platz. Lustiger Weise fuhren die hinter uns liegenden 2 Fahrer kurz vor dem Ende der ersten Stunde an die Box und das obwohl die Platzierungen der ersten Stunde und der der zweiten addiert wurden. Komische Strategie, aber das sollte nicht unser Problem sein. Der erste Teil des Rennens wurde abgewunken und die Fahrer sollten sich in der Boxengasse im Parc Ferme einfinden. Fahrerwechsel und nachtanken waren untersagt, einige Teilnehmer nutzen trotz des
Verbotes die Zeit um nachzutanken und/oder den Fahrer zu wechseln. Irgendwie kann ich es nicht nachvollziehen, wie man sich über eine Platzierung die man sich erschummelt hat freuen kann, aber anscheinend ist das so manchen 'Sportler' ziemlich egal. Ich stand am Ende der Boxengasse und winkte Robert zu mir, der mich zuerst an der Box suchte, und informierte ihn über unsere Platzierung. 'Wir sind dritter', sagte ich zu ihm und schickte ihn in den Parc Ferme. Dann begann das lange Warten, es dauerte rund 15 Minuten bis die Schilder umgestellt wurden und erst danach konnte die Fahrtrichtung umgedreht werden. Nach einer Runde hinter dem Safetycar wurde wieder die Startaufstellung eingenommen und der zweite
Teil des Rennens gestartet. Robert kam so mittelprächtig weg, aber nachdem sich einige gleich einmal in der ersten Kurve mit den kalten Reifen verabschiedeten, übernahm er sogar für einige Runden die Führung. Irgendwann schob sich einer an ihm vorbei, aber der 2. Platz blieb und die hinter ihm Fahrenden waren alle langsamer unterwegs. Deswegen ließ ich ihn gleich einmal zwei Runden länger draußen. Unser Wechsel verlief ohne Komplikationen, meine Fahrt danach verlief jedoch ein wenig schwierig. Einige Male wollte mir das Vorderrad in der Kurve entwischen und ich konnte es nur Dank meiner Metallschleifer am Stiefel wieder einfangen. Adrenalin pur. Ich beschloss ein wenig langsamer in die Kurven einzufahren, lieber ein oder zwei Sekunden langsamer und dafür nicht stürzen. Die Fahrt war aber trotzdem
noch ziemlich kräfteraubend und ich war froh, als ich endlich die Zielflagge sah.
Das Rennende:
Wie bereits im Vorjahr empfing mich Robert in der Box und auf meine Frage nach der Platzierung hielt er einige Finger in die Luft. Zeigefinger, Mittelfinger, 'Wir sind Dritter?', fragte ich ihn, 'Nein, Zweiter!', entgegnete er mir. Meine Güte, wirklich wie im Vorjahr, wenn ich den Mittelfinger sehe heißt das für mich einfach 3! Wir genehmigten uns schnell eine Erfrischung und gingen danach zur Zeitnahme, um den Gesamtstand zu erfahren. Auch im Gesamtklassement waren wir an der 2. Stelle. Siegerehrung, Abschied von Norbert und dem kleinen Schuh,
beide nahmen im zweiten Lauf eine Bodenprobe, konnten aber trotzdem noch den 6. Gesamtrang einfahren. Gratulation an dieser Stelle, der kleine Schuh hat durch seinen Ausrutscher in der ersten Kurve eine bessere Platzierung verhindert, auch hier ist somit unsere Rechnung voll aufgegangen - unsere Strategie war halt einfach unschlagbar.
Die Heimkehr:
Wie bereits im Vorjahr blieben wir auch heuer wieder beim Tercia stehen, Robert verschmauste seine Tintenfische und nach dem Abendessen fuhren wir weiter nach Wien, wo mich K.rin wie bereits im Vorjahr mit folgenden Worten empfing: 'Zweiter? Du meine Güte, wer hat euch denn jetzt schon wieder hergebrannt?'
Und jährlich grüßt das Yetitier, to be continued 2012?

