Da ich die RC8 nur auf der Rennstrecke legal bewegen darf, war diese Veranstaltung zur Erprobung und Eingewöhung an die RC8 gedacht, auch wollte ich
prüfen, ob die Hebeleien, Fussrasten und Lenkerstummel in der richtigen, d.h. in einer für mich angenehmen Position sind und weil ich nicht gerne alleine fahre, habe ich halt den Robert (aka Doppel-R) davon überzeugt, dass es für ihn gut wäre, wenn er sich vor unserem ersten TNT Termin noch ein wenig auf der Rennstrecke einschwingen würde. Rund 3 Wochen vor dem Termin, habe ich einmal mit dem Rennstreckenumbau der RC8 begonnen. Nichts arges, nur musste halt die seit Monaten im Keller herumliegende Rennverkleidung angepasst und montiert werden, die Fussrasten gehörten noch auf die höhere Position und die kürzeren Brems- und Kupplungshebel wollten auch noch montiert werden.
Bis auf die Rennverkleidung war alles recht schnell eingestellt und montiert, zur Verkleidung selber kann ich nur sagen, dass die Maßhaltigkeit und die Spaltmaße für den Preis eine Frechheit sind.
Mittlerweile bietet Sebimoto eine Nachbauverkleidung an, die aus dem KTM Powerpartsprogramm würde ich sicher kein 2. Mal mehr bestellen. Aber gut, irgendwann war auch dieses Meisterwerk aus dem KTM Zubehör Programm montiert, einzig die Farbe und die Aufkleber fehlten noch. Deshalb habe ich noch schnell einige Dosen Mattlack gekauft und mit diesen wurde die Verkleidung dann schwarz und weiss eingefärbt. Die Aufkleber wurden nicht mehr rechtzeitig fertig was letztendlich wiederum besser war, aber dazu komme ich noch später.
Unsere Reifen wurden erst am Tag vor der Veranstaltung geliefert. Die Montage erfolgte auf meiner Terrasse, bei Roberts SD sogar unter Zuhilfenahme der Aussenbeleuchtung. Am nächstn Tag ging es in der Früh auf zum Pann, der sich bei meiner Ankunft vom nächtlichen Regen noch sehr nass präsentierte. Es war also keine große Eile angesagt, weil für mich war es klar, dass ich erst bei Trockenheit meine Jungfernfahrt mit der KTM absolvieren werde. Deswegen sind die Regenreifen auch gleich zu Hause geblieben. Robert kam auch mit ein wenig Verspätung an, aber nachde es stellenweise doch noch recht feucht war, verzichteten wir auf unseren ersten Turn. Bis zum
Zweiten war dann alles trocken, wir starteten unsere Zweizylinder und fuhren zur Boxenausfahrt, an der ich, wegen fehlender Startnummer, zurückgewiesen wurde. Na super, den ersten Turn sausen lassen und jetzt der Schmarrn. Also schnell zum Veranstalter, raus aus den Handschuhen, rein ins Büro und mal fragen, ob er wohl eine Startnummer für mich hätte. Nach einigen warum, wieso, na deshalb halt, fasste ich die Nr. 90 aus, klebte mir die an die Front, passierte den Zerberus an der Boxenausfahrt und wurde danach von einem jeden, sich zu der Zeit auf der Strecke befindlichen
Motorrad hergebrannt - möglicherweise waren es sogar noch einige mehr. Auch gut, denke ich mir und versuchte es mir ein wenig schönzureden. Es ist meine erste Fahrt mit der RC8, zumindest läuft der Motor einwandfrei und sie fährt gerade aus. Der Rutscher vom Vorbesitzer dürfte wirklich nur ein Rutscher gewesen sein. *blablubb - usw.* Robert grinst breit, ihm dürfte es auf der Strecke gefallen haben und nachdem ich jemanden brauchte der mir eine saubere Linie vorfährt, fahren wir beim 2. Turn gemeinsam hinaus. Er fährt halt einen extrem saubere Linie, kein herumgewackel, schön rund, da ist keine Unsicherheit zu bemerken, ja - hinter ihm nachfahrend schwindet allmählich meine verkrampfte Fahrweise und es beginnt richtig spassig zu werden.
Leider laufen wir recht rasch auf eine Gruppe anderer Fahrer auf, Robert arbeitet sich langsam durch, ich hingegen fahre mich im Rudel fest. Die Sicherheit beim Überholen habe ich einfach noch nicht. Was für mich bei der Supermoto eine Selbstverständlichkeit ist, funktioniert mit der RC8 leider gar nicht. Was solls, ein Fahrer fliegt beinahe mit Highsider vor mir ab, er bleibt nur mit Glück im Sattel, einem Anderen zeige ich mein Vorderrad, der jedoch steckt nicht zurück, also lass ich ihm in der Kurve den Vortritt. Er fährt wirklich mit hohem Speed in die Kurve ein, ich denk mir noch 'wenn sich das nur ausgeht...', es geht sich nicht aus und er fährt in die Wiese. Gut, das hätten wir dann auch geklärt.
Diese ganzen Aktionen lassen mich die Überholvorgänge noch vorsichtiger angehen, in Kurve 5, einer 180° rechts mit 2 Kurvenscheitel, versuch ich weiter auszuholen, damit ich meinen Vordermann eventuell auf der darauffolgenden, kurzen Geraden überholen kann. Der Vordermann legt sich jedoch kurz vor dem Kurvenausgang hin, sein dahinrutschendes Motorrad schlittert genau in meine Linie, ich muss aufrichten und fahr durch die Lücke, die sich zwischen ihm und seinem Motorrad auftut, ab in das Kiesbett und komme nach einem weiten Bogen über die Wiese wieder zurück auf die Strecke. Da hatte ich noch einmal Glück gehabt. Nachdem die Reifen wieder sauber sind, fahre ich den Turn fertig und im Fahrerlager begutachte ich das Motorrad auf etwaige Schäden. Der Lack am Heck ist unter dem Sitz ein wenig Kiesgestrahlt, witziger Weise gibt es auch an der Front und an den Seitenverkleidungen einige Steinschlagschäden, ich vermute einmal, dass der Lack nicht
allzu schlagfest ist, weil diese Steinschläge sich teilweise nicht mit dem Ausritt erklären lassen und wohl eher nebenbei entstanden sind. Beim Auspuff, dessen Ausmündung durch die unteren Verkleidung führt, verbrennt der weisse Lack, die Abgase dürften wohl ein wenig heisser als gedacht sein. Ich versuche die Stelle mit etwas Aluklebeband, welches ich mir vom Robert schnorre, zu schützen. Das half zwar auch nichts, aber jetzt war ich wirklich froh darüber, dass die Aufkleber nicht rechtzeitig fertig wurden, somit habe ich noch eine Chance das Motorrad mit einem haltbareren Lack zu übersprühen. Die Aussicht auf eine neue Lackierung stimmte mich allerdings nicht sehr heiter,
weil es eine Arbeit ist, die ich wirklich nur mit Widerwillen mache. Die nächsten Turns verliefen recht unterschiedlich, teilweise hatte ich beim Fahren ein recht gutes Gefühl, gleich darauf fuhr ich wieder einen kompletten Stiefel zusammen, schlampe beim Hangoff herum und setze die RC8 deshalb auch gerne mal auf die Fussrasten. Da liegt noch einiges an Arbeit vor mir.
Am Ende des Tages waren jetzt nur mehr die diversen Rennen ausständig, Robert hat sich bei den Sternchen auf die Poleposition gestellt, eine für ihn ungewohnte Position, weil er normalerweise am Start den anderen Fahrern gerne den Vortritt lässt. So hofft er für gewöhnlich den Rangeleien in der ersten Kurve zu entgehen. Auf der Pole ist diese
Strategie halt ein bisserl blöd, weil zum Einen geht es um was und zum Anderen kommt alles von hinten. Meiner Erfahrung beim Supermoto nach ist es besser vorne weg zu fahren und wenn das gelingt, dann hält man sich mit Sicherheit aus dem Gerangel der hinteren Startreihen heraus. So habe ich es ihm dann auch gesagt und beim Start dürfte er es dann auch so gesehen haben, weil er dabei dem restlichen Fahrerfeld auf und davon gefahren ist. Bei der ersten Kurve hatte er bereits 3-4 Motorradlängen Vorsprung, kam alleine durch die ersten Kurven, während sich die restlichen Fahrer im Weg standen und Zeit auf ihn verloren.
Nach etwas mehr als einer halben Runde lösten sich aus dem Verfolgerfeld 2 Motorräder heraus und nahmen die Verfolgung auf. In der 2. Runde war es schon klar, dass sich diese 3 den Sieg untereinander ausmachen werden,es folgten einige spannende Zweikämpfe und Positionsverschiebungen, es wurde überholt und kurz darauf wieder gekontert. Es war wirklich ein feines Rennen und wer mehr darüber erfahren will, der kann sich hier den Bericht vom Robert durchlesen, ich habe jetzt schon genug geschrieben.
Resüme:
Schön wars, Mission erfüllt - ich weiss jetzt dass die RC8 funktioniert und irgendwann, so hoffe ich, finde ich bei der Kupplung eine für mich angenehme Handhebelposition. Daran habe ich andauernd, allerdings ohne Erfolg, herumgedreht. Jetzt lasse ich die Kupplungseinstellung wie sie ist und hoffe darauf, dass sich meine Glückspfote oder mein Hintern darauf einstellen wird. Derzeit fehlt mir noch ein bisserl das Gespür dafür. Die KTM hat die Fussrasten entweder zu tief, oder ich fahre zu schlampig. Das Heck wird beim Anbremsen ein wenig unruhig, wobei mich das als Supermotofahrer weniger stört, trotzdem sollte ich beim nächsten Mal die Fahrwerkseinstellungen von Standard auf Sport umstellen. Schau ma mal wie sie sich dann gibt. Die Verkleidung ist mittlerweile überlackiert, wieder mit der Sprühdose, allerdings mit einem anderen Lack. Beim Abbau der Verkleidung habe ich im Unterteil eine M10er Schraube gefunden. Good Vibrations, eine Motorbefestigungsschraube hatte sich dadurch gelöst.
Ich glaub ich mag dieses unartige Ding.

