ImageAcht Monate nach meinem Crash am Pannoniaring, saß ich Mitte Mai 2014 in Brünn wieder auf der KTM. Die Blessuren waren mittlerweile abgeheilt, aber dafür hatte ich den Kopf voller Fragen. Habe ich wirklich die Ursache gefunden und beseitigt? Habe ich bei den Reparaturen was übersehen? Wird die KTM funktionieren? Werde ich funktionieren? Solche und ähnliche Fragen quälten mich und ganz ohne Frage war mein Sturz mental noch nicht wirklich verarbeitet. Das ist halt der Nachteil, wenn man nach einem gröberen Sturz nicht gleich wieder auf das Motorrad steigen kann.


Wie auch immer, jetzt war ich halt in Brünn und fuhr am frühen Nachmittag aus der Boxenausfahrt auf die Strecke. Warum erst am frühen Nachmittag? Am Vormittag hat es geregnet und just als die Strecke am Auftrocknen war, verteilte ein Fahrer sein Motoröl über den gesamten Kurs, was eine Gesamtreinigung der Strecke mit einem entsprechendem zeitlichen Aufwand erforderte. In Summe waren bei dieser Veranstaltung rund 270 Fahrer anwesend, welche sich auf 4 Gruppen aufteilten. Zu Mittag wären die Gruppen neu aufgeteilt worden, was aber auf Grund der Bedingungen am Vormittag keinen Sinn machte und die Gruppen sollten somit erst am Abend für den nächsten Tag neu eingeteilt werden.

Was soll ich sagen, ich Imagesitze also wie der erste Mensch auf dem Motorrad, es ist recht viel Verkehr auf der Strecke und ich ordne mich halt mal in eine Fahrergruppe ein, bremse überall rund 100m früher und horche bildlich gesprochen in die KTM hinein. Passt da alles? Läuft das Motorrad gerade aus? Funktioniert die Bremse? Irgendwie stimmt der Hebelweg der Bremse nicht, der wird immer geringer. Mist! Da habe ich wohl doch noch was übersehen, hebe also die Hand und fahre von der Strecke. In der Box angekommen merke ich, dass sich nur die Schelle der Bremspumpe gelockert und dabei leicht verdreht hat. Natürlich habe ich die Schraube der Schelle nicht mit Schraubensicherung eingeklebt und sowas rächt sich halt schnell bei dieser Rüttelplatte von einem Motorrad. Seufz - sicherheitshalber wird die Bremse auch noch mit Hilfe eines Boxenkollegen entlüftet. Bei 4 Gruppen hat man Zeit und nach 3 Runden, inkl. Out- und Inlap, war ich ja noch recht fit für solcherlei Tätigkeiten.

Beim nächsten Turn muss ich nach 3 Runden wieder raus, weil diesmal ein Kollege abgeflogen ist und danach zahlte es sich nicht mehr aus um rauszufahren. Die 3 Runden waren aber unglaublich grausam. Ich bremse so ca. einen Kilometer vor den Kurve, weil ich einfach Imagenicht darauf vertraue, dass die Bremse das tut was sie tun soll. Ich warte immer auf ein blockierendes Vorderrad und damit es auf der Geraden nicht zu schnell wird, gebe ich auch nur halbherzig Gas aus der Kurve raus. Meine Rundenzeiten liegen irgendwo bei 2:24, also eh nur 12 Sekunden von meiner persönlichen Bestzeit entfernt und sogar mit dem Bruch im Ellbogen war ich 2013 um 11 Sekunden schneller, wenn auch nur für eine Runde. Ein wenig frustriert überlegte ich von der schnellsten in die nächst langsamere Gruppe zu wechseln, jedoch stelle ich fest, dass ich immer noch unter den besten 40 auf der Strecke bin, was bei der Anzahl der Fahrer dann von der Gruppeneinteilung immer noch passen würde. Ok, die hatten an diesem Tag halt auch noch keine große Rundenanzahl geschafft.

Am Ende des Tages stehen rund 100km mehr am Tacho, meine beste Rundenzeit liegt, ich trau es mir kaum zu schreiben, bei *nuschel* *hust* 2:21. Was soll's, das Motorrad ist in Ordnung, fährt gerade aus und die Bremse bremst vermutlich auch schön dosierbar in die Schräglage rein. Überraschender Weise verbleibe ich nach der Neugruppierung in der schnellsten Gruppe, jaja - die Kollegen sind am ersten Tag auch nicht allzu viel gefahren.

ImageEs folgen Benzingespräche mit den Boxenkollegen in deren Box ich zur Untermiete bin. Es ist recht praktisch wenn man von den Kerlen keinen kennt und somit können wir uns gegenseitig unsere Geschichten erzählen, ohne das einer davon abwinkt und meint - 'geh bitte, die Geschichte hast du uns/mir doch eh schon tausendundeinmal erzählt..' Natürlich musste ich gleich einmal die Story von unserm Supermotoausflug in Ottobiano von anno dazumal erzählen - also da war der Biaggi.. - ok, ich höre schon auf (Insider wissen mehr).

Am nächsten Tag war es, unglaublich aber wahr, wirklich trocken! Ok, es war nicht allzu warm, etwas über 10°C, aber trocken! Bitte, - was will man mehr im Mai? Mit einer neuen Reifengarnitur geht es raus auf die Strecke und mit einer 2:16 im ersten Turn komme ich ein wenig zufriedener zurück an die Box. Zwei weitere Turns fahre ich noch und letztlich stünde ich mit einer 2:13 auf der 9. Startposition in der Klasse SBK. Da ich aber noch immer recht angespannt am Motorrad sitze und mir mein Fahrpensum bereits reicht, beschließe ich auf das Rennen zu verzichten, einzupacken und verfrüht die Heimreise anzutreten.


Ein Monat später bin ich am Red Bull Ring. Eine Woche davor war die Formel 1 zu Gast und durch die Umbauten dafür muss ich mir wieder neue Orientierungs- und Bremspunkte suchen. Es stehen keine Entfernungstafeln mehr vor den Kurven, die Auslaufzonen sind bunt bemalt. ImageDie Lufttemperatur war für Juni kühl und durch den Reifenabrieb der Formel 1 findet man anfänglich nur wenig Grip auf der Strecke. Ansonsten wieder viele Fahrer, 4 Gruppen, viele Stürze und am Vormittag kein Turn ohne Abbruch. Ich bin beinahe auf dem Öl eines gestürzten Fahrers ausgerutscht und es fehlt mir immer noch diese gewisse Selbstverständlichkeit beim Fahren. Am 2. Tag regnet es und ich reise wiederum verfrüht, mit nur 200km mehr am Tacho, ab. Danach ging es einmal in die 2 monatige motorradlose Sommerpause. Ein jeder Motorradfahrer wird verstehen, dass man, also wenn man in ganzen 9 Monaten knapp 400km fährt, wieder ein wenig Abstand vom Mopped braucht.

Nach der Sommerpause stand nochmal ein Termin in Brünn an, die Wetterprognosen waren wieder einmal bescheiden, für Mitte August waren für den ersten Tages Höchstwerte von rund 20°C angesagt und für den 2. Tag wieder einmal Regen. Fahrerfeld wie üblich, 4 Gruppen ich gehe wieder in der schnellsten Gruppe auf die Strecke und laufe permanent langsamere auf. Ich denk mir einfach scheiss drauf, konzentrier dich und danach ab und durch. Und siehe da, es gelingt und ich fahre im ersten Turn in der 4. Runde, bei rund 15° Lufttemperatur und mit einem Reifen der rund 350km auf dem Gummi hat, eine 2:14er Rundenzeit. Wenn der Fahrtag so beginnt, dann werde ich immer ein bisserl gierig, weil ich da halt schon ein wenig auf meine persönliche Bestzeit schiele und es mir natürlich bewußt ist, dass ich meine Bestzeit an so einem Tag unterbieten kann.

Beim nächsten Turn finde ich keine freie Runde und laufe ständig auf relativ große Fahrergruppen auf. Beim letzten Turn am Vormittag jedoch kann ich mich nach zwei Runden frei fahren, hole tief Luft und weiß, dass ich es jetzt und in dieser Runde schaffen kann. In der letzten Linkskurve im Omega gehe ich ein wenig zu optimistisch in die Kurve rein und laufe Gefahr zu weit nach rechts zu gelangen. Ich denk mir, "nein, nicht jetzt, nicht wenn ich eine freie Runde vor mir habe.." und lege die KTM noch weiter um und in dem Moment wird das Vorderrad weich, also genau dieses Gefühl welches Imageman fühlt bevor das Vorderrad endgültig einknickt. Reflexhaft öffne ich den Gasgriff noch weiter, lasse meinen Körper noch mehr zur Seite in die Kurve fallen und mit einem Hinterraddrift und einer am Boden schabenden Bugverkleidung stabilisiert sich das Motorrad und ich kann wieder aufrichten und in die darauf folgende Rechtskurve einlenken. Die Linie war jetzt natürlich nicht so optimal und ich überlege kurz ob ich die Runde abbrechen soll. Mein Laptimer nimmt mir die Entscheidung ab, der zeigt aus dem Omega heraus ein fettes Minus bei der Zwischenzeit an und so ducke ich mich wieder hinter die Verkleidungsscheibe und denke mir einfach, dass es nach dieser Showeinlage jetzt erst recht sein muss. Mit voll geöffnetem Gasgriff fahre ich die Gerade runter zum tiefsten Punkt der Strecke und sehe in der Ferne 2 Fahrer auftauchen, auf welche ich rasend schnell aufschließe. Murphys Gesetz läßt mir selbstverständlich keine Chance die Fahrer auf der Geraden oder ansonst einer Stelle zu erwischen, wo sich der Überholvorgang wenig bis gar nicht auf die Zeit auswirkt.

Dank Murphy erwische ich den ersten Fahrer auf der Bremse beim Einlenken in die Linkskurve der Bergaufschikane und weil ich dadurch zu weit nach rechts komme, überhole ich den zweiten Fahrer gleich mal vor der Bergaufrechts, komme dadurch natürlich zu spitz vor der Kurve an und kann so nicht optimal aus der Kurve rausbeschleunigen, was natürlich blöd ist, weil ab dieser Kurve geht es steil bergauf. Der Laptimer zeigt aber an dieser Stelle, weil hier habe ich auch meine letzte Zwischenzeit gesetzt, noch immer ein Minus an. Das ist zwar durch die Überholmanöver geringer geworden, aber immerhin ist noch genügend übrig um es noch zu versuchen und so nehme ich deshalb bei der letzten Schikane vor Start und Ziel noch ein wenig mehr Risiko als sonst, bremse spät und versuche aus dem alten Hinterreifen nochmal alles beim Rausbeschleunigen aus der Kurve herauszuquetschen und fiebere dem Zielstrich entgegen. Es geht gut und nachdem ich die Ziellinie überquere, zeigt mir der Laptimer mit einer tiefen 12er Zeit eine neue persönliche Bestzeit an.

Der Tag ist somit für mich bereits vor der Mittagspause gelaufen. In der Mittagspause wechsle ich noch auf einen neuen Reifen, kann mich aber am Nachmittag nicht mehr so recht motivieren, die Verbesserung meiner persönlichen BImageestzeit ist erreicht und ab jetzt will ich nur mehr alles unzerstört und ganz über den Tag bringen, auch weil für den nächsten Tag schlechtes Wetter angesagt ist und ich somit annehmen kann, dass dieser Tag gleichzeitig mein Saisonende ist. Deshalb werde ich in der Startaufstellung noch von der ersten Startreihe in die zweite Reihe verdrängt, aber bei Regen habe ich sowieso nicht vor zu fahren. Ein wenig bedauere ich schon, dass an diesem Tag kein Rennen stattfindet, weil bis auf die ersten zwei bis drei Fahrer ist das Starterfeld dicht beieinander, der Vierte hat gegenüber dem Zehnten nicht einmal eine halbe Sekunde Vorsprung und die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich im Rennen an einen etwas schnelleren Fahrer anhängen kann, wäre natürlich recht hoch. Ja ich weiß, die Gier ist was Schlimmes, aber irgendeine Motivation brauche ich einfach.

Der Tag vergeht ohne weitere Vorkommnisse, in der Nacht beginnt es zu regnen und amImage nächsten Morgen packe ich meine Sachen, verkaufe noch meine Regenreifen an einen jungen Fahrer der unbedingt fahren will und reise, wieder einmal vorzeitiger als geplant, ab. So wenig wie im 14er Jahr bin ich überhaupt noch nie gefahren, letztlich wurden es drei Fahrtage mit 550 km. 2013 waren es verletzungsbedingt auch nur ein wenig mehr als 1000km und ich will jetzt auch nicht behaupten, dass ich mental wieder so stark wie vor meinem Sturz am Freitag den 13. bin, aber trotzdem werfe ich jetzt mal in Hinblick auf 2015 ein lautes - "I'll be back!", in den Raum.

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